Social Media Star – ein Lied voller Neid und Missgunst

Social Media Star ist online und eigentlich sollte man oder ich nur darüber schreiben, was man oder ich selbst erlebt hat/habe. Aber auch wenn mir der große Erfolg in den sozialen Medien bisher verwehrt geblieben ist, traue ich mich doch, ein paar Klischees zu bemühen.

Ein bisschen Neid ist auch dabei, das muss ich zugeben, aber der hält sich in Grenzen. Denn nichts ist so schnelllebig wie diese Plattformen. Was heute gehypt wird, ist morgen stinklangweilig. Ich sage nur six/seven. Sagt das noch jemand? Ich schrieb also einen Text über das Leben eines Influencers, der sich kaufen lässt und damit gut leben kann. Der seinen Content von der KI erstellen lässt, wie Politiker ihre Reden und manch ein Präsident dumme Bilder von sich für seine eigene Plattform.

Das Cover zu Social Media Star von Markus Hansen
Das Cover zu Social Media Star von Markus Hansen

Was spielt die Trompete?

Es beginnt mit der Ukulele, gedoppelt und Gesang. Dann eine Grunge Ukulele, gedoppelt, Klavier ist dabei und dann kommt diese Trompete, die irgendwas spielt. Dorisch, Ionisch oder Hypomixolydisch? Wer weiß das schon. Aber es passt gut in den Song hinein. auch dieser Song nahm seinen Anfang in einer Akkordfolge, die mir beim Üben der Ukulele eingefallen ist. Der Rest musste wieder beim Einspielen dazu kommen. So arbeiten Profis nun mal.

Dann kam Claude

Um für Soundcloud eine Beschreibung zu erstellen, benutze ich gerne Claude. Nun gab ich diesem KI-Wurm den Text und bevor ich noch schreiben konnte, was ich eigentlich wollte, bekam ich eine gepfefferte Kritik an meinem Text. Bitteschön:

Was mich stört

  1. Die Angeberei dauert zu lang. Strophe 1 und 2 sagen im Kern dasselbe: Ich bin erfolgreich, alle lieben mich. Die Pointe (alles ist KI und Faulheit) kommt erst ab Strophe 3. Bei 100 BPM wird das schnell zäh. Überlege, die Ironie früher anzudeuten, zum Beispiel mit einer Zeile in Strophe 2, die schon nicht ganz passt.
  2. Ein paar Zeilen sind schwach oder klischeehaft. „Jede Scheiße funktioniert“, „was ich berühre wird zu Gold“ und „Für ihren dummen Scheiß“ sind erwartbar. „Scheiße“ und „Scheiß“ kommen zweimal so nah beieinander vor, und das wirkt eher wie ein Lückenfüller als wie Absicht. „Die Firmen reißen sich um mich“ ist auch abgegriffen.
  3. Die Struktur ist unklar. Ich sehe keinen echten Refrain. „Für mich geht es stets nach oben“ und „Von mir gibt es jeden Tag etwas Neues“ sind die Kandidaten, aber der Text hat keine wiederkehrende Zeile, die hängen bleibt. Für Deutschpop ist das ein Problem: „Ich bin ein Social Media Star“ oder „Ich bin ein super Star“ müsste der Hook sein und öfter kommen, nicht nur am Ende der Strophen.
  4. Reime und Rhythmus holpern an einigen Stellen.
    • „Michel Jackson“ muss „Michael Jackson“ heißen, und der Name passt rhythmisch schlecht zu „Queen“.
    • „Weil ich wirklich faul bin / Macht mein Content die KI“ ist metrisch unrund.
    • „Ist die reinste Ironie“ reimt sich auf „KI“, aber die Betonung stimmt nicht.
    • „denn ich muss kaum etwas tun / … ausruhen“ reimt nur ungefähr.
  5. Der KI-Teil wirkt angeklebt. „KI Agenten kennen jeden Trick, sie schleichen sich überall ein“ wechselt die Perspektive vom Ich zu einer allgemeinen Beobachtung. Das ist ein Bruch, und die Zeile gehört eher in eine Bridge oder müsste zum Ich zurückgeführt werden.
  6. Der Schluss ist zu brav. „Glücklich und zufrieden, schrecklich reich und dankbar“ ist okay, aber die stärkste Wirkung hätte ein Schluss, der die Ironie noch einmal zuspitzt, etwa dass der Star gar nicht merkt, dass es seine KI ist, die gefeiert wird.

Danach folgte ein feiner Austausch zwischen mir und einer blinden und tauben KI. Aber vielleicht hat Claude ja recht.


Mehr Musik? Wer ich bin? Kontakt?