Jetzt, wo die Tage kürzer werden und die Ferien vorbei sind, da veröffentliche ich ICH HAB FREI!, einen Song, bei dem es um einen einzigen freien Tag geht. Keine politischen Zusammenhänge, kein Konsumbashing oder andere Katastrophen. Ein Mann, ein Tag frei und das war es. Fast schon leichte Unterhaltung.
ICH HAB FREI1 – Markus Hansen – 9/2026
Die ersten Versuche machte ich auf der Ukulele und verschob dann noch den einen und auch den anderen Akkord auf dem Reface DX und dann war mir das Tempo zu lahm und ich musste die Ukulele noch mal einspielen und das zwei mal. Es gibt eine Akkordprogression auf dem E-Piano und einen treibenden Beat. Geige, Akkordeon und Orgel spielen sich dann die Bälle zu und so fummelte ich alle Teile zusammen.
Ein kleines bisschen Ohrwurm und eine kleine Flucht aus dem Alltag, der uns alle auffrisst mit seinen wenigen freien Stunden und den vielen Stunden auf der Arbeit. In den wenigen freien Stunden muss man auch noch einkaufen, kochen, waschen und schlafen. Echt Kacke.
Was meint der denn mit Privilegiert? Wir können unsere Kinder in die Schule schicken. Wenn wir krank sind, dann gehen wir zum Arzt oder ins Krankenhaus. Wenn die Kinder das Haus abfackeln, rufen wir die Feuerwehr. In jedem Supermarkt gibt es viel mehr als irgendwer braucht. Es gibt Bus und Bahn und im Notfall gibt es die Polizei. Jeder von uns kann sich auf die Straße stellen und die Regierung für doof halten. Das sind nur einige Privilegien, die wir in diesem Land alle haben und die uns als Selbstverständlich erscheinen. Ich weiß auch, das da noch überall Luft nach oben ist und das jeder Scheiß Geld kostet. Wer hier geboren wurde, kann sich glücklich schätzen. Dieser Song ist ein Appell, nicht alles als Selbstverständlich zu sehen und auch die zu sehen, die nicht das Glück hatten im „richtigen“ Land geboren worden zu sein.
Es war soo schwer
Der Text ist sehr, sehr langsam gewachsen. Ich wollte ausdrücken: Das wir es gut haben. Vieles noch schlecht läuft und das es sehr vielen anderen nicht so gut geht wie uns. Alleine schon das Wort privilegiert ist nicht unbedingt die erste Wahl, um einen Text zu schreiben. Die erste Aufnahme mit der ersten Strophe war deutlich langsamer. Dann ließ ich das ganze erst mal ruhen und als ich mir das wieder anhörte, war mir klar: Das muss schneller werden. Alles noch mal neu. Der Refrain war dann überraschend schnell geschrieben und gereimt und bringt dem Song viel Schwung und Spaß.
Angefangen mit der Ukulele, dann der Bass und obwohl ich es nicht wollte das Klavier auch noch dazu. Eine Hammondorgel und natürlich brauchte ich auch Bläser um den ganzen dekadenten Priviliegienmist abzubilden. Im Studio war die Hölle los. Acht Musiker mit riesigen Egos eingesperrt auf 300 Quadratmeter. Die Luft war entzündlich. Besonders als ich entschied, das die Orgel ein Solo bekam und nicht einer von den Bläsern. Chef sein ist schon geil. Leck mich fett.
Yosarrien denkt über eine Zusage nach. | Foto: Arthur Korb
Es wird auch etwas zu sehen geben
Mein alter Ego Yosarrien wird sich wieder die Ehre geben, das Lied zu visualisieren. Natürlich hat er nur zugesagt, weil die Band unter anderem, aus drei jungen Frauen besteht. Der alte Steltzbock. Der Dreh zieht sich noch hin, mal ist das Licht scheiße, dann sind alle Statisten nach Hause gegangen oder irgendwer aus der Crew ist betrunken Autogefahren, erwischt worden und sitzt im Knast. Aber ich sage nicht wer.
Die Band bei den Dreharbeiten zum Musikvideo.
Wenn das Video abgedreht wurde und der Schnitt aus Übersee zurück ist, wird es eine große Party geben, Mitten in Sterup, auf irgend einem Acker. Mit Hüpfburgen, stilles Wasser für alle, zuckerfreie, vegane Muffins und garantiert scheiß Regenwetter. Die Band hat schon geschlossen abgesagt, aber wir vom Management sind zuversichtlich, das es ein großer Erfolg wird. Das Lied wird dann in Dauerschleife gehört, bis alles es auswendig mitsingen können, Ich freue mich auf euch.
Täglich werden über 100.000 Songs auf die diversen Streaming-Plattformen gepresst und bei YouTube ist es noch schlimmer. Dort werden täglich 720.000 Stunden Videomaterial hochgeladen. Jetzt kommst Du und willst deinen Song und/oder Video unter die Leute bringen. Ganz egal oder viel Glück.
Dann musst Du bei Spotify 1000 Streams in einem Jahr bekommen, um ein paar Euro auf Deinem Konto zu finden. Auch auf Tour zu gehen scheint sich nur für die Großen zu lohnen, die kleinen kommen im schlimmsten Fall mit einem Minus nach Hause. Darum geht es in „Ganz egal“, denn niemand wartet auf mich oder dich oder Euch. Es ist in der Musik, wie auch sonst überall: Verdienen, das tun nur die anderen. Die, die das Große Ding erst möglich machen, bekommen den kleinsten Anteil. Was wäre Spotify ohne Musiker? Was wäre TikTok ohne die filmenden Teenies? Oder den peinlichen Politikern? Nichts.
Es geht um einen Traum, einen Wunsch. Jemand möchte – mit was auch immer – groß heraus kommen. Also musste der Sound des Songs luftig klingen. Zudem hatte ich wieder Bock auf Synthesizer und so bauten wir den oOSCar, den Moog und was sonst noch im Keller zu finden war auf und legten los. Die Strophen sind frustrierende Realität und auch der Refrain lässt keine Hoffnung keimen. Nur die letzten Worte am Ende des Songs helfen ein ganz klein wenig. Nicht aufgeben.
Weitere Beiträge gibt es auf derMusik-Seiteund wer mit mir in Kontakt treten möchte, kann das hier tun. Viel Spaß.
OBACHT!
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