Privilegiert – Das Lied zur Standortbestimmung und Demut

Was meint der denn mit Privilegiert? Wir können unsere Kinder in die Schule schicken. Wenn wir krank sind, dann gehen wir zum Arzt oder ins Krankenhaus. Wenn die Kinder das Haus abfackeln, rufen wir die Feuerwehr. In jedem Supermarkt gibt es viel mehr als irgendwer braucht. Es gibt Bus und Bahn und im Notfall gibt es die Polizei. Jeder von uns kann sich auf die Straße stellen und die Regierung für doof halten. Das sind nur einige Privilegien, die wir in diesem Land alle haben und die uns als Selbstverständlich erscheinen. Ich weiß auch, das da noch überall Luft nach oben ist und das jeder Scheiß Geld kostet. Wer hier geboren wurde, kann sich glücklich schätzen. Dieser Song ist ein Appell, nicht alles als Selbstverständlich zu sehen und auch die zu sehen, die nicht das Glück hatten im „richtigen“ Land geboren worden zu sein. 

Es war soo schwer

Der Text ist sehr, sehr langsam gewachsen. Ich wollte ausdrücken: Das wir es gut haben. Vieles noch schlecht läuft und das es sehr vielen anderen nicht so gut geht wie uns. Alleine schon das Wort privilegiert ist nicht unbedingt die erste Wahl, um einen Text zu schreiben. Die erste Aufnahme mit der ersten Strophe war deutlich langsamer. Dann ließ ich das ganze erst mal ruhen und als ich mir das wieder anhörte, war mir klar: Das muss schneller werden. Alles noch mal neu. Der Refrain war dann überraschend schnell geschrieben und gereimt und bringt dem Song viel Schwung und Spaß. 

Angefangen mit der Ukulele, dann der Bass und obwohl ich es nicht wollte das Klavier auch noch dazu. Eine Hammondorgel und natürlich brauchte ich auch Bläser um den ganzen dekadenten Priviliegienmist abzubilden. Im Studio war die Hölle los. Acht Musiker mit riesigen Egos eingesperrt auf 300 Quadratmeter. Die Luft war entzündlich. Besonders als ich entschied, das die Orgel ein Solo bekam und nicht einer von den Bläsern. Chef sein ist schon geil. Leck mich fett.

Yosarrien denkt über eine Zusage nach. | Foto: Arthur Korb

Es wird auch etwas zu sehen geben

Mein alter Ego Yosarrien wird sich wieder die Ehre geben, das Lied zu visualisieren. Natürlich hat er nur zugesagt, weil die Band unter anderem, aus drei jungen Frauen besteht. Der alte Steltzbock. Der Dreh zieht sich noch hin, mal ist das Licht scheiße, dann sind alle Statisten nach Hause gegangen oder irgendwer aus der Crew ist betrunken Autogefahren, erwischt worden und sitzt im Knast. Aber ich sage nicht wer. 

Die Band bei den Dreharbeiten zum Musikvideo.

Wenn das Video abgedreht wurde und der Schnitt aus Übersee zurück ist, wird es eine große Party geben, Mitten in Sterup, auf irgend einem Acker. Mit Hüpfburgen, stilles Wasser für alle, zuckerfreie, vegane Muffins und garantiert scheiß Regenwetter. Die Band hat schon geschlossen abgesagt, aber wir vom Management sind zuversichtlich, das es ein großer Erfolg wird. Das Lied wird dann in Dauerschleife gehört, bis alles es auswendig mitsingen können, Ich freue mich auf euch.


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Ersetzt – das war es für uns! – Neuer Song

Bankautomaten, SB-Bereiche im Einzelhandel, Roboter die Autos zusammenschweißen und jetzt die KI. Wir schaffen jeden Beruf über kurz oder lang ab und damit ersetzen wir uns durch Technik. Bankangestellte werden zum Großteil von Geldautomaten und Onlinebanking abgelöst. Wir dürfen in Zukunft kontrollieren und die Maschinen warten.

Überleben werden die Berufe, die unbedingt einen Menschen brauchen, aber wie lange wird das noch so sein. Sollte es erst einmal Roboter geben, die einem Menschen zum verwechseln ähnlich sehen, dann werden auch diese Berufe vom Menschen befreit sein. Lehrer? Erzieher? Pfleger? Es gibt keine Grenze. 

Der Song ERSETZT handelt genau davon: Wie wir uns sukzessiv selbst abschaffen, also beruflich.

Ersetzt, der steinige Weg zum Song

Das war eine schwere Geburt. Ich war von Anfang unzufrieden, mit dem Text, mit meiner Stimme und mit allem. Aufgeben wollte ich nicht und ich denke, das war auch richtig so. Jetzt mag ich den Song. Er ist am Ende doch so geworden, wie ich es wollte. Begonnen habe ich mit dem Klavier und das klang einfach nur gruselig. Also Klavier wieder raus und die Ukulele mit ein wenig distortion eingespielt.

Ganz langsam wurde das Ganze besser und besser. Die KI-Sängerin Nicole hat mich verstärkt und macht den Song auf jeden Fall besser. Das Stück ist einfach gehalten, Schlagzeug, Bass, Ukulele und eine Orgel und als akustische Überraschung eine bisschen Synthesizer.

Coverfindung

Normaler Weise habe ich ziemlich schnell eine Vorstellung oder Idee, was für ein Cover ich nehmen könnte. Dieses mal war es in meinem Kopf leer. Zur Auswahl stand eine SB-Kasse, ein Kaugummiautomat und ein Schild das zeigen soll: Menschen sind verboten. Ähnlich dem von den Ghostbusters.

Da es ja um KI geht, dachte ich, ich frage die KI mal und der Vorschlag war völlig bekloppt. Sah aus wie ein SPD Wahlplakat von 1910. Aber dann machte die KI den Vorschlag eine Hand zu verpixeln und danach konnte ich alleine weiter machen. Und fertig.


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Update

Hier eine Grafik von der International Federation of Robotics, dessen Pressemitteilungen ich bekomme.


Die Ballade aus der Schublade: FOOL – Song über unerwiderte Liebe

Da sitze ich im Flugzeug Richtung Süden und um den Motorenlärm zu entkommen, setzte ich meine Kopfhörer auf. Ich kann mich nicht entscheiden, was ich hören will und rutsche durch meine Liste von Alben. Da klicke ich, fast schon aus Jux, auf eines meiner Alben.

Die Anfangszeit, mit alten Songs und spiele die Ballade FOOL ein Song über unerwiderte Liebe. Krass denke ich, das ist was Feines. Schreibe mir auf: Dieses Stück noch mal zu überarbeiten. Der Urlaub ist vorbei, die Daten sind gefunden. Ich mixe den Song also neu und teile ihn nun mit der Welt.

Das Cover von FOOL von mhmedia.de

Worum es im Song geht?

Jemanden zu sagen, das man etwas für ihn empfindet, ist nicht leicht. Ahnt man schon, das die Gefühle nicht erwidert werden, wird es noch schlimmer. Wenn der oder die andere nur Freundschaft will, wird dies mit der Offenbarung auch unmöglich – meistens – also ist alles kaputt.

Ist es besser, nichts zu sagen? Keine Ahnung. Diese Angst vor den Konsequenzen und dass sich wie ein Idiot vorkommen, wenn man es doch getan hat, sind der Ursprung dieses Liedes.

Auf SoundCloud hören oder das Video auf YouTube ansehen.

Entstehung und neuer Mix

Es ist eine langsame Ballade und das Klavier dominiert das ganze Stück. Bläser unterstreichen das Dramatische und das Schlagzeug steigert die Emotionen. Oder was auch immer.

Fool habe ich 2014 aufgenommen, mit einem günstigen USB-Mikrofon. Alles war viel zu laut. Die Spuren stellte ich leiser und masterte den Song – soweit mir das möglich ist. Zuerst wollte ich alles neu einsingen, aber es gefällt mir so, wie ich es damals sang. Etwas Hall und EQ auf die Stimme und die Drum-Spur erneuert.

Cover, Video und Veröffentlichung

Die ganze Mediathek nach Fotos durchsucht und fand dieses Bild, ein Selbstporträt des holländischen Malers Jan Lievens (1607–1674). Für einen Narren halte ich diesen Maler ganz bestimmt nicht, aber der Ausdruck schien mir zum Song absolut passend. Er wirkt konzentriert und angespannt, so als würde er gleich jemanden etwas wichtig sagen wollen.

Zuerst dachte ich daran, mich mit einer Narrenkappe zu fotografieren, aber wo bekommt man so etwas her? Aber es geht ja auch gar nicht um einen Narren, sondern um das Gefühl etwas Falsches gemacht zu haben. Das Leben ist echt komplex.

Auf allen Kanälen Präsenz zeigen, sonst gehe ich in der Masse unter. Es wird untergehen, das ist das Schicksal von uns Nischenbesetzern. Deutsche Popmusik von einem unbekannten ist zum Dasein unter einer Brücke verurteilt. Aber davon lass ich mich nicht abhalten. Ein Video muss her. Soll ich in Schwarz gekleidet im Trockenkeller auf einem Stuhl sitzen und mich melancholisch in die Kamera übergeben? KI? Leider habe ich keine Credits mehr für diesen Monat. Also suche ich Filmschnipsel aus meinem Vorrat, die zu Stimmung passen oder auch nicht und klebe den Text auf den Bildschirm. Fertig. Ein kleines Kunstwerk in Sepia.


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