US-Rocksänger Meat Loaf bei einem Konzert in Hamburg im November 2003 – Foto: Markus Hansen – Vertrieb: ActionPress.de
Meat Loaf ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Ich mochte seine Musik zwar nicht, aber trotzdem ist es eine traurige Nachricht. Bei seinem Konzert in Hamburg war es auf jeden Fall leicht, gute Bilder von ihm zu machen, da er viele Gesten und Posen machte.
Frau Reinhold, eine attraktive Frau in den besten Jahren macht ein BBQ. Es ist Weihnachten und eigentlich verkleiden sich zur Zeit nur ältere, korpulente Männer als Weihnachtsmann. Aber ich mag den Sommer lieber und eine Einladung zum BBQ ist ganz famos. Also schnell die Zucchini in Scheiben schneiden und mit Olivenöl einreiben. Noch jede Menge Nudelsalat zaubern und ab dafür. Frohe Weihnachten.
Ein Bild von Frau Feinhold
Frau Reinhold lädt zum BBQ Tinte und Buntstift auf Papier – 29,7 x 21 cm – 11.2021
Weitere Bilder gibt es auf der Malerei-Seite und wer mit mir in Kontakt treten möchte, kann das hier tun. Viel Spaß.
Eine S-Bahn zum Flughafen, das wollte sich Hamburg gönnen, denn die Verbindung zum Airport war bisher recht beschwerlich. Also wurde der Plan gefasst und es wird gebuddelt und gebaut. Ich bekomme dann irgendwann einen Fototermin.
Der unfertige S-Bahntunnel direkt unter dem Flughafen Fuhlsbüttel in Hamburg am 18.12.06 – Foto: Markus Hansen | Vertrieb: ActionPress
Endlose Wege, die Wände grau. Der Geruch von feuchtem Beton und Baustelle klebt in meiner Nase. Mach mal ein Bild von der neuen S-Bahn die zum Flughafen fahren soll. Am besten mit Rathaus im Hintergrund und dem Hafen. Was soll ich aus diesem Langweiligen Grau machen?
Nach vielen Kilometern – gefühlt – gab es endlich mal einen Farbtupfer im grau in grau dieser öden Funktionsarchitektur. Ein Gleisbauer bewegt irgendwas auf dem Gleis und da ist denn auch das Motiv. Wenn es schon keine Bahn gibt, die da fährt, dann ist das wohl das beste was ich bekommen kann.
Wer über diesen Tunnel erfahren möchte, klickt hier
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Die Hoffenden, sie stehen da und hoffen: Auf besseres Wetter, etwas zu Essen, eine warme Decke, Frieden, Vernunft oder auf Liebe. Gemeinsam stehen die Hoffenden zusammen, dicht gedrängt schauen sie uns an.
Sollen wir ihnen Hoffnung geben? Ausgerechnet wir, die wir doch selber hoffen, dass das Wetter morgen gut ist, das die Milch nicht schlecht ist oder das wir gesund bleiben.
Die Hoffenden – Acryl und Gouache auf Papier – 19×24 cm – 10/2021
WIr, die wir doch selber nicht wissen, was morgen kommt. Krieg? Katastrophen? Noch mehr von Heidi Klum im Fernsehen? Was sollen wir den Menschen sagen, die voller Erwartungen kommen und uns ansehen? Geht wieder zurück, wir haben kein Platz mehr? Das Boot ist voll?
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25,7 Prozent (1) der Menschen, die sich an der Bundestagswahl beteiligt haben, gaben ihre Stimmen der SPD. Die Wahlbeteiligung lag mit 76,6 % (2) etwas höher als bei der letzten Wahl, aber was ich mich frage: Ist es nicht bemerkenswert, das 75% der Wähler die SPD und damit Olaf Scholz nicht wollten?
Wahlplakate in Hamburg. Foto: Markus Hansen
Die meisten Stimmen, aber nicht gewonnen.
Noch mal anders: Wahlberechtigt waren dieses Jahr 60,4 Millionen Bürger (3) und davon haben nur ca. 75 Prozent ihre Stimme abgegeben. Damit haben etwas mehr als 45 Millionen Menschen gewählt. Also gerade einmal 11,5 Millionen von 60 Millionen (und davon auch nur 76,6%) haben sich für die SPD entschieden.
Wer hat jetzt die Wahl gewonnen?
Wir Wähler auf jeden Fall nicht, denn jetzt wird es zäh und voller Kompromisse oder eben auch nicht. Jetzt bekommen wir von allem ein bisschen. Bisschen sozialdemokratisches weiter so. Bisschen liberaler Wirtschaft-zu-erst-Quatsch. Bisschen grüne Halbherzigkeit. Nur brauchen die anstehenden Aufgaben mehr als ein bisschen von allem. We kunnen nieusgierig zijn.
Eine düstere Zukunft steht vor der Tür und wir verstecken uns unter dem Couchtisch in der Hoffnung, das niemand merkt, das wir da sind. Wo soll all das Geld herkommen, das in der Coronahektik versprochen wurde? Kann eine arbeitende Bevölkerung bei einem Mindestlohn von 9,50 Euro diese Summen erwirtschaften? Wo kommen die Therapeuten/innen her, die wir dringend benötigen? Die Pfleger/innen, die uns den Arsch wischen? In den nächsten Jahren wird die Babyboomergeneration in Rente gehen.
„Man kann davon ausgehen, dass ab dem Jahr 2020 ungefähr eine Million Menschen jährlich ins Rentenalter wechseln werden. Wir haben im Moment ein Verhältnis von 37 Personen im Rentenalter zu 100 Personen im erwerbsfähigen Alter. Und das wird sich bis 2050 deutlich zu 50 Personen im Rentenalter zu 100 im erwerbstätigen Alter verschieben. Danach flacht sich das ab, aber das wird auch bis 2060 weiter steigen.“ (1)
Und die bereits vorhanden Rentner haben neben einer guten bzw. besseren Rente – viele von ihnen – auch eine gute Gesundheit. Werden wir auch das erst zur Chefsache machen, wenn der Kipppunkt schon in weiter Ferne liegt? Zu den Rentnern kommen noch die braven Beamten, die nichts einzahlen, aber sehr viel herausholen.
„Der emsige Professor Bernd Raffelhüschen, ein Vertreter der Freiburger Schule, deren Theorien die Grundlage des Wirtschaftswunders in den fünfziger Jahren gewesen waren, hat zudem errechnet, dass hierzulande bis 2050 1,36 Billionen Euro an Beamtenpension fällig werden. „(2)
Dann kommt die nächste von der Lebensmittel- und der Pharmaindustrie gesponserte und von vielen prognostizierte Katastrophe auf uns zu, eine dicke Welle von Diabetespatienten/innen, die das System der gesetzlichen Krankenversicherung durchaus sprengen könnten.
„Derzeit sind in Deutschland mehr als sieben Millionen Menschen an Diabetes erkrankt – das Gros leidet an Diabetes Typ 2. Nach Schätzungen des Berliner Robert Koch-Instituts könnte die Zahl der Patienten bis 2040 auf bis zu 12,3 Millionen hochschnellen. Dass für die „Volkskrankheit“ Diabetes dann ausreichend viele qualifizierte Ärzte und Diabetesberaterinnen wie stationäre Behandlungskapazitäten bereitstehen, wird massiv angezweifelt.“ (3)
Die steigende Zahl von Naturphänomen wird uns ebenfalls die Kassen leer räumen. Die unbeherrschbaren Wassermassen, die in den letzten Wochen Teile von NRW in eine Filmkulisse für einem Hollywood-Film verwandelt haben, werden mehrere Milliarden kosten. Hinzu kommt eine marode Infrastruktur von endlosen Autobahnkilometern und Brücken (4) die in den kommenden Jahren saniert werden müssen. Die immensen Summen für die Unterstützung der Wirtschaft in der Lockdownzeit müssen auch noch aufgebracht werden. Der fürchterliche Zustand der Schulen und der Bildung im allgemeinen würde wohl auch Milliarden verschlingen, da dieser aber schon seit Jahrzehnten erfolgreich ignoriert wird, sind die Zahlen hoch aber werden wohl eingespart.
Wie lange können sich Staaten mit geliehenem Geld durch wie viele Legislaturperioden wursteln?
Da sich der Aufgabenberg zur Zeit täglich erhöht und der Kleinmut der Politiker mit jedem Umfrageergebnis sinkt, wird alles so bleiben wie es ist. Ich würde gerne das Ende dieses stotternden Motors erleben, wie sich auf einmal alle aufregen und fragen: Warum habt ihr denn nicht gegengesteuert?“ Das war doch abzusehen, werden sie schreiben. So wie bei Wirecard, dem Klima, der Atomenergie und ganz aktuell, das Hochwasserdebakel in Deutschland. Alle Sirenen abschrauben, weil sie Geld kosten, alle Flächen bebauen und sich dann wundern, wenn das Wasser nicht abfließt und die Sirenen im Keller schweigen.
Das Waldsterben aus den 1980 Jahren wird womöglich mit zunehmender Trockenheit durch Feuer beschleunigt, der Atommüll hat immer noch keinen Platz und die Menschen, die aus allen Teilen der Erde fliehen müssen, werden hungrig sein und brauchen Unterkünfte. Ich würde auch verzweifeln, wenn ich all diese Probleme alleine vor mir hätte.
Das sind wir, ein Teil davon, aber wir. – Foto: Markus Hansen
Aber wer, wenn nicht wir? Wer soll das sonst angehen? Ich habe keine Ahnung, wie die Geldangelegenheit gemeistert werden kann. Da gibt es bestimmt gute Ideen von der populären Ökonomie. Immerhin haben die privaten Haushalte in Deutschland ungefähr 6.738,3 Milliarden Euro, die bei einer Lösung durchaus hilfreich wären. (5)
Aber einen großen Anteil könnte das Wir lösen:
Wir müssen mehr für gesunde Nahrungsmittel bezahlen, und zwar mit einem Lächeln im Gesicht.
Wir müssen weniger Fleisch essen, damit sich dieser Irrsinn der Mast nicht weiter breit macht.
Wir müssen weniger Autofahren fahren, und wenn dann mit gutem Grund.
Wir sollten weniger Flugreisen unternehmen und die sollten Teuer sein.
Wir sollten grünen Strom kaufen.
Wir sollten auf Homeoffice bestehen.
Wir sollten den öffentlichen Nahverkehr benutzen.
Die Liste lässt sich bestimmt noch ergänzen. Was wir noch machen sollten: Eine andere Politik wählen. Die Politik muss durch das Wahlergebnis erkennen, das Wir Änderungen wollen. Neben unserem Anteil, muss die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, wie zum Beispiel eine Erbschaftssteuer, eine Vermögensabgabe, Mindestlohn von 12-15 Euro, Steuer auf Aktiengeschäfte, die Vorschläge der Zukunftskommission Landwirtschaft müssen umgesetzt werden. Es müssen Anreize geschaffen werden, das schlechtes Verhalten – CO2 Ausstoß – teuer ist und gutes Verhalten sich lohnt. Auch diese Liste erscheint unvollständig. Der Souverän fordert dazu auf, die Probleme anzugehen, die mehr als deutlich vor unserer Haustür campieren. Wir im Kleinen und die gewählten Volksvertreter im Großen.
Es sind so viele, das es unmöglich ist, sich diese Zahl vorzustellen. 2.800.000.000 (1) Plastikbecher pro Jahr. 2,8 Milliarden. Kann ich damit ein Fußballstadion füllen? Den Mond bedecken? Ein Kreuzfahrtschiff zum Sinken bringen?
Und noch einer mehr auf den Haufen. Zu viele davon. Absolut zu viele davon. Foto: Markus Hansen
Es ist gut, das es Alternativen gibt, aber reicht das? Seit dem 3. Juli sind viele Plastikteile verboten (2), aber ob das greift? Das Umdenken dauert oft so lange, und wie das Bild zeigt gibt es noch jede Menge von diesen Problemfällen.
April 1996 und dieser Marathonläufer beim Shell-Marathon in Hamburg läuft durch die vom Veranstalter aufgestellten Wasserfontänen. Ich war mit meiner Minolta x-500 unterwegs und fokussierte noch manuell, mit einem 135 mm Objektiv. Das ist eines meiner Lieblingsmotive aus dieser Zeit und ich benutze einen 3200er Film, weil ich dachte, so bekomme ich immer schnelle Belichtungszeiten hin. Ein 400er hätte es auch getan. Egal, das Motiv zählt.
Es war sehr heiß im April und die Veranstalter erfrischten die Teilnehmer mit einer Dusche. | Foto: Markus Hansen
Weitere Bilder gibt es auf der Foto-Seite und wer mit mir in Kontakt treten möchte, kann das hier tun. Viel Spaß.
Haben Sie auch zu viel Kohle? Ich auch. Ich weiß gar nicht mehr wohin damit. Spenden? — Ach, das macht doch jeder. Armen Kindern im eigenen Land helfen? — Das ist so banal. Shoppen? — Oh ja, am Besten Schuhe. Am Besten gebrauchte Schuhe. Wer bietet mehr?
„Niemand sollte die Leistungen der Turnschuhforschung unterschätzen. Mit bewundernswerter Deutungsfreude versucht man dort, die tieferen Gründe ausfindig zu machen, warum nicht etwa T-Shirts oder extravagante Baseballkappen zum wichtigsten Fetischobjekt der Popkultur geworden sind, sondern Sneakers von Puma, Nike oder Adidas. Jüngst wurde wieder ein Rekordpreis erzielt, Sotheby’s versteigerte ein paar schwarze Sportschuhe, einst getragen von Kanye West bei einer Grammy-Verleihung. Preis: 1,8 Millionen Dollar.“
DIE ZEIT – No 20 – 12. Mai 2021 – Hanno Rauterberg „Auf der Tartanbahn des Lebens“ – Seite 47
Das ist krass, oder? Nachdem ich mich beruhigt hatte, fiel mir ein, ich weiß, wo ich alte Schuhe gesehen habe. Sogar mehrere, die könnte ich dem Spacken oder anderen Geldsäcken anbieten, so als Wertanlage. Damit niemand die Katze im Sack kaufen muss, gibt es hier mal ein Bild.
Foto: Markus Hansen
Das Anfangsgebot liegt bei bescheiden 100.000 €, aber Luft nach oben ist genug da. Ich warte also auf die Gebote, nur keine Scheu.
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Das Leben ist absurd und vieles in der Wirtschaft ist mehr als absurd, wie z.B. der Handel mit Derivaten. (1) Eine wirklich, wirklich absurder Teil des Kapitalismus ist die alles durchdringende Werbung, die uns mit Anzeigen, Flyer, Filme, Plakate und jede Menge anderes Zeug anschreit und seufzend um flüchtige Aufmerksamkeit buhlt. Sie will manipulieren, einen Kaufreflex auszulösen. Mit Hilfe von dummen Bildern.
Zum Beispiel: Die Produktion von Erdbeerjoghurt, der von einer hübschen Frau in ihrer Küche hergestellt wird , mit schöneren Erdbeeren, in einer Holzschüssel, in aller Ruhe und ganz alleine.
Werbung ist der Handlanger des Kapitalismus. Wir müssen Konsumieren, am Besten auf Pump. Immer mehr besitzen und anhäufen, bis jeder Raum und jeder Schrank voll ist mit nutzlosen Produkten. Schauen Sie ruhig mal bei sich in den Schrank oder in die Kommode. Unternehmen, die etwas herstellen, müssen diese verkaufen um Geld zu verdienen. Um die Produkte an den Mann und an die Frau zu bringen werben sie für ihre Produkte. Aber was ist, wenn alle so ein Produkt besitzen? Dann muss ein neues Produkt her, das etwas kann, was das alte nicht kann und schon wird ein Bedürfnis erzeugt. Das alte Produkt landet im Müll, wird verkauft oder kommt in eine Schublade und das Spiel beginnt von vorne.
Das alles dient dem Zweck, uns daran zu hindern zu leben ohne sinnlosen Überfuß. Ohne Ballast. Wünsche wecken und den Geist betäuben.
„Zu den Hauptgründen für Galbraiths Unbehagen gehörte seine Beobachtung, dass die amerikanische Nachkriegsgeneration ein scheinbar grenzenloses Verlangen danach hatte, unnötige Dinge zu kaufen. Nach seiner Überzeugung waren die materiellen Bedürfnisse der meisten US-Amerikaner etwas ebenso «Hergestelltes» wie die Produkte, die sie kauften, um diese Bedürfnisse zu stillen. Weil die existenziellen Grundbedürfnisse der meisten Menschen problemlos befriedigt werden könnten, verlegten sich, so seine These, die Hersteller und die Werbebranche darauf, neue künstliche Bedürfnisse zu wecken, um das Hamsterrad der Produktion und des Konsums am Laufen zu halten, anstatt dass die Menschen ihre Ressourcen in die Verbesserung öffentlicher Dienstleistungen investierten.“ (2)
Das also Unternehmen für ihre Produkte werben ist die eine Sache, die andere ist ein Unternehmen zu gründen, das nur darauf gründet, Werbung zu zeigen und zwar so dicht am Kunden wie es geht. Google und YouTube haben im analogen Sinne einen Marktplatz erbaut, zu dem so viele Leute kommen, das die Unternehmen unbedingt dort ihre Produkte zeigen müssen, damit es sich lohnt und es lohnt sich – für Google und YouTube.
„Der Werbeumsatz von YouTube, das zu Google gehört, betrug im Jahr 2019 rund 15 Milliarden Dollar.“ (3)
In unserer Gesellschaft gibt es diesen absurden Zusammenhang zwischen Geld und Macht. Wer von dem einen viel sein eigen nennt, bekommt das andere als Bonus dazu. Diese Macht in den Händen von Menschen, denen es vornehmlich darum geht, die geschenkte Macht auszubauen um dann noch mehr Geld zu erwirtschaften um dann noch mehr … ist es deutlich geworden? Der Einfluss der werbebasierenden Dienste wie Facebook und Twitter auf politische Wahlen ist in den letzten Monaten mehr als deutlich geworden und es ist keine gute Entwicklung, wenn einzelne Unternehmer so viel Einfluss auf die Meinungsbildung der Öffentlichkeit besitzen.
So erscheint der massive Versuch von Amazon sich als toller Arbeitgeber in Anzeigen und Werbefilmchen zu präsentieren das perverse der Werbung zu offenbaren. Amazon wird beschuldigt, in den USA schwangere Frauen gefeuert zu haben, weil diese zu oft auf dem Klo waren. (4) Das erinnert sehr an das „Neusprech“ aus Orwell‘s Roman 1984. Es ist die Grundlage für die Werbung „Extraportion Milch“ in der Kinderschokolade, „Freude am Fahren“ bei BMW. Die ganzen Wir-kümmern-uns-darum-Versprechen von Banken, Versicherungen und anderen Dienstleistern. Baumärkte, die mit Beratung werben, aber wann findet man so einen Mitarbeiter in den unendlichen Weiten dieser Regalwelt? Grob vereinfacht lässt sich sagen, das mit Halbwahrheiten und/oder dem Verschweigen von Fakten viele Menschen viel Geld verdienen.
„Im Jahr 2019 wurden laut Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft ZAW e.V. rund 4,4 Milliarden Euro durch Fernsehwerbungeingenommen. “ (5)
Hat die Omnipräsenz der Werbung nicht schon längst ihre Wirkung verloren? Alles wird durch Werbung unterbrochen. Das Fernsehprogramm, Filme bei YouTube oder im Fernsehen, Spiele, Apps, Zeitungsartikel und Werbung an Bushaltestellen, Häuserwänden und Displays durchbrechen die Umgebung.
Leuchte die ganze Nacht und bewirbt ein sinnfreien Produkt | Foto: Markus Hansen
Was Unternehmen bezahlen, um ihre Produkte zu vermarkten ist unfassbar.
„41.700 Euro für 20 Sekunden: Die „Tagesschau“ ist aus Werbesicht die teuerste News-Sendung. „RTL Aktuell“ nimmt mit 20.000 Euro nur halb so viel pro 20-Sekunden-Spot ein.“ (6)
Wer immer „Wolf“ ruft, dem glaubt man nicht mehr, wenn der Wolf dann vor der Tür steht. Es ist zu viel, es ist zu schlecht und möglicherweise ohne Wirkung. Ironisch ist, das viele Apps den Benutzer zum Kauf der Vollversion anregen, indem sie auf die Werbefreiheit hinweisen, wenn man die App bezahlt. Das Abschalten der Werbung ist eine Befreiung und damit ein Feature?
Die Suchanfragen bei Amazon, Google oder Zalando werden zum hoffentlich ersehnten Wissen über die Wünsche des potentiellen Kunden durch Algorithmen untersucht. Damit soll dann das Konsumverhalten, die Kaufabsichten oder einfach nur ein Interesse dem Unternehmen noch vor dem Kunden klar sein um ihm dann mit der passenden Werbung traktieren zu können. Es lebe der Algorithmus und es macht deutlich, warum das Tracking, das bei einigen Smartphones jetzt werkseitig abgestellt ist, die Werbebranche so verletzlich erscheinen lässt. (7)
Das perfide an den Werbeabteilungen ist, das einverleiben von Trends als Verkaufsargument um das möglicherweise schlechte Gewissen der Konsumenten zu beruhigen. Jetzt ist Nachhaltigkeit ein großes Thema. Dann bewegt sich auch etwas und die Produkte haben weniger Plastik, oder die Verpackungen sind zu einem großen Prozentsatz recycelbar oder wiederverwertbar, was nicht das selbe ist. So wird Umweltschutz ein Verkaufsargument, dabei besteht die Gefahr, das der Umweltschutz und die ernsthafte Beschäftigung mit Nachhaltigkeit aufgeweicht wird wie Fahrstuhlmusik den Genuss von Musik aufweicht oder verflacht. Ich kann weiterhin viel kaufen, es ist ja umweltschonend. Nein! Besonders bescheuert war die Werbung, die das Schützen des Regenwaldes und das saufen von Bier in einer unfassbar dummen Kombination beworben hat. Erfreulicher weise wurde der Blödsinn verboten. (8)
Erich Fromm schrieb schon 1974 folgendes:
„Unser heutiges Leben in der Industriegesellschaft arbeitet fast ausschließlich mit derartigen «einfachen Reizen». Stimuliert werden dabei Triebe wie sexuelles Begehren, Gier, Sadismus, Destruktivität und Narzißmus. Vermittelt werden diese Reize durch Filme, Fernsehen, Radio, Zeitungen, Magazine und den Gebrauchsgütermarkt. Im großen und ganzen beruht die gesamte Reklame auf der Stimulierung von Wünschen, die durch die Gesellschaft erzeugt werden. Der Mechanismus ist immer der gleiche: einfache Stimulation direkte und passive Reaktion. Hierin liegt der Grund, weshalb die Reize sich ständig ändern müssen, um nicht ihre Wirkung zu verlieren. Ein Auto, das uns heute aufregend erscheint, wird uns in einem oder zwei Jahren langweilig vorkommen — deshalb muß man sich auf der Suche nach neuer Erregung ein anderes kaufen. Ein Ort, den man gut kennt, wird automatisch langweilig, so daß man sich Erregung nur dadurch verschaffen kann, daß man verschiedene Orte aufsucht, und zwar so viele wie möglich auf einer Reise. In einem solchen Kontext müssen die Sexualpartner ebenfalls gewechselt werden, wenn sie einen Reiz ausüben sollen.“ Erich Fromm „Anatomie der menschlichen Destruktivität“, 1974
Wo soll die Reise hingehen, wenn der Reiz drastischer werden muss, um noch Gehör zu finden? Klingeln Jeff und seine Freunde bald an der Haustür, wie früher die Staubsaugervertreter und Hausierer? Sollten alle Produkte nur Wahrheitsgemäß beworben werden? Marktanteile können auch gewonnen werden, wenn ein Unternehmen gute Produkte herstellt, Steuern zahlt, seine Arbeitnehmer und die Umwelt fair behandelt. Weniger unrealistische Versprechungen scheinen keine großen Gewinne zu generieren, aber vielleicht ist die Richtung vernünftig.
Minimalismus ist auch ein Trend. Weg vom Auto, hin zum Fahrrad. Selber kochen statt TK-Pizza. Die Macht des Verbrauchers ist genauso groß wie die heterogene Meinungsvielfalt und das macht es nicht leichter die Richtung zu finden, die es braucht um die Anzahl an Missständen und Ungerechtigkeiten zu minimieren.
Klar ist eines, Wachstum um jeden Preis und jedes Jahr lauter, bunter und dümmer erscheint keine große Verlockung für die Zukunft.
Weitere Bilder gibt es auf der mhblog-Seite und wer mit mir in Kontakt treten möchte, kann das hier tun. Viel Spaß.
OBACHT!
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