Haben Sie auch zu viel Kohle? Ich auch. Ich weiß gar nicht mehr wohin damit. Spenden? — Ach, das macht doch jeder. Armen Kindern im eigenen Land helfen? — Das ist so banal. Shoppen? — Oh ja, am Besten Schuhe. Am Besten gebrauchte Schuhe. Wer bietet mehr?
„Niemand sollte die Leistungen der Turnschuhforschung unterschätzen. Mit bewundernswerter Deutungsfreude versucht man dort, die tieferen Gründe ausfindig zu machen, warum nicht etwa T-Shirts oder extravagante Baseballkappen zum wichtigsten Fetischobjekt der Popkultur geworden sind, sondern Sneakers von Puma, Nike oder Adidas. Jüngst wurde wieder ein Rekordpreis erzielt, Sotheby’s versteigerte ein paar schwarze Sportschuhe, einst getragen von Kanye West bei einer Grammy-Verleihung. Preis: 1,8 Millionen Dollar.“
DIE ZEIT – No 20 – 12. Mai 2021 – Hanno Rauterberg „Auf der Tartanbahn des Lebens“ – Seite 47
Das ist krass, oder? Nachdem ich mich beruhigt hatte, fiel mir ein, ich weiß, wo ich alte Schuhe gesehen habe. Sogar mehrere, die könnte ich dem Spacken oder anderen Geldsäcken anbieten, so als Wertanlage. Damit niemand die Katze im Sack kaufen muss, gibt es hier mal ein Bild.
Foto: Markus Hansen
Das Anfangsgebot liegt bei bescheiden 100.000 €, aber Luft nach oben ist genug da. Ich warte also auf die Gebote, nur keine Scheu.
Weitere Bilder gibt es auf der mhblog-Seite und wer mit mir in Kontakt treten möchte, kann das hier tun. Viel Spaß.
Der Suizid ist für viele der einzige Weg aus ihrem ganz persönlichem Drama. Der Tot scheint alles zu lösen und könnte eine Befreiung sein. Vielleicht. Den Schienensuizid wählten mehr als 690 Menschen im Jahre 2023. Mehr, weil 97 Versuche nicht tödlich endeten. Ungefähr 1000 Menschen wählen den Todessprung. Die folgende Geschichte ist frei erfunden und soll alle vom Suizid abhalten.
Jetzt ist es zu dunkel – Markus Hansen
Den ganzen Tag ist das Oberlicht weich und grau. Ich drehe mich in meiner kleinen Wohnung um mich selbst. Es ist zum vom Balkon springen. Aber was dann? Jetzt nichts und dann nichts. Trotzdem zieht es mich zum Fenster. Feststellung: Ganz schön hoch. Da ist das Ende sicher. Kann auch kein Laster kommen, der Matratzen oder Kakteen geladen hat, die mich dann retten oder die Qual verdoppeln würden. Sichere Sache.
Abstand vom Glas. Den ganzen Morgen schon zerschneidet ein blöder Laubbläser mit seinem kakophonischen Geplärre mein Hirn.
Hinaus gehen.
Hin gehen.
Dem Bläser eine Ohrfeige verpassen, das Ding auf dem Boden zertrümmern und dabei wie wild schreien: „Warum nehmen sie keinen Rechen?“. Das wäre was. Lieber nicht.
So viele Geräusche die mich belästigen. Autos, Motorräder, LKW‘s, Kindergeschrei, Hundegebell, Flugzeuge und eine Baustelle mit Presslufthammer und Stromgenerator. Großstadt. Das Haus ist auch so hellhörig. Komisches Wort. Jedes Türschließen ist zu hören. Schritte über mir. Doch der Balkon? Unsicher.
Bin schon recht lange da. So richtig ein Highlight ist das Leben nicht. Also kein zwingender Grund, das noch in die Länge zu ziehen. Wie ein Film im Kino, den man nicht gesehen hat und die anderen, die ihn gesehen haben, sagen: „Hast nichts verpasst.“
Am Ende ist es ja doch vorbei. Nachher denkt man sich, dafür hätte ich jetzt nicht bleiben müssen. Also, verpasst hätte ich nichts. Aber dann dauert es doch noch mal dreißig Jahre — das kann schon lang werden. Ja, jetzt kommt noch die Müllabfuhr. Vielleicht sollte ich die alle zu mir einladen. Dann können die ihren Krach hier machen und ich gehe dann so lange raus. Hier liegt gar kein Laub. Da unten auch nicht.
Ob es heute noch regnet?
Das wäre ja auch wichtig zu wissen. Noch ist es trocken. Laut einer Webseite haben es heute schon 2000 Menschen beendet, ihr Dasein. Dasein mit Totsein getauscht. Wie es denen wohl jetzt geht? Sagen die: „Super, warum habe ich das nicht schon viel früher gemacht?“ oder „Ach nee, das hat sich nicht gelohnt.“
So eine Webseite, wo die mal ihre Erfahrungen hineinschreiben, das wäre gut. So mit Sternen und Rezensionen. Das wäre hilfreich. Obwohl, dann sind die Rezensionen gekauft und am Ende ist es ganz anders. Ist ja auch so schrecklich subjektiv, der Tod.
Echt schwer das Leben. Diese ganzen Entscheidungen. Mach ich das oder das und am Ende ist es auch egal. Ist immer die falsche Wahl. Wie beim Einkaufen. Ich stehe immer an der falschen Kasse. Dann ist die Bonrolle alle, oder die Kassiererin hat Schichtende oder der Kunde vor mir hat seinen Bon kontrolliert und es wurde ihm für die Katjes-Tüte der reguläre Preis berechnet, nicht der Angebotspreis.
Überhaupt, Schlange stehen. Das ist echt die sinnloseste Erfindung. Wo es überall Schlangen gibt, unbegreiflich. Haben die alle kein zu Hause? Kino, Supermarkt, Eisdiele, Museum, Arbeitsamt, Zulassungsstelle, Recyclinghof, Kantine, Bankschalter, Postschalter, hör mir auf. Das Leben ist Schlange stehen und danach die falschen Entscheidungen bereuen. — Oh, Mann.
Jetzt ist aber auch schon zu dunkel. Da sehe ich ja nichts. Womöglich treffe ich noch jemanden. Womöglich noch einen Bekannten. Das wäre mir peinlich. Dann dieses Schweigen. „Was machst Du so?“ „Nichts besonderes, und Du?“ Schrecklich. Ich gehe ins Bett. Morgen habe ich eh mehr Zeit.
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