Erschöpft und kurz vorm platzen

Erschöpft. Die Menschen in der Ukraine, in Syrien, SriLanke, Afrika, und was weiß ich wo noch überall sind erschöpft. Auch in Deutschland sind die Menschen am Limit. Lehrer*innen, Verkäufer*innen, Erzieher*inn, Polizisten*innen, Reinigungskräfte sind erschöpft. Wir alle sind erschöpft. Die Anzahl der Menschen mit Burnout oder Depression steigt seit Jahren1 und der Wunsch vieler Menschen auf den früheren Ruhestand könnte ein Indiz dafür, das viele einfach nicht mehr können. Mehr als die Hälfte der aktuellen Beschäftigten möchte lieber mit 62 Jahren  – statt mit 67 –  in den Ruhestand gehen.2

Erschöpfter Mann in einer U-Bahn in Hamburg. | Foto: Markus Hansen

Durch den Alltag, die Arbeit und die komplexen Probleme vor denen wir alle stehen, werden die Menschen krank. Hinzu kommt, das der einzelne kaum Einfluss auf Entscheidungen – die ihn durchaus betreffen – hat. Was kann ein Mensch bewirken? Weder hat er Einfluss auf das, was mit seinen Steuern geschieht, noch kann Herr Meier die Klimakatastrophe im Alleingang stoppen. Das ist frustrierend.

Frustrierend ist es auch, wenn die berechtigten Proteste der Frauen und Männer, die im Iran oder China auf die Straße gehen, gewaltsam niedergeschlagen werden. Junge Iraner*innen werden gehängt, weil sie frei sein wollen und die „freie Welt“ schaut zu. Das viele Menschen in ihrer Heimat bleiben würden, wenn es sich dort vernünftig leben ließe, sollte jedem klar sein. Doch allzu oft verhindert die deutsche -, die europäische- oder die westliche Wirtschaftspolitik dies.

Unser Wohlstand hängt davon ab, das ein großer Teil der Weltbevölkerung im Dreck sitzt und für unsere Rohstoffe die eigene Umwelt und Gesundheit zerstören muss – siehe den Artikel von Johanna Roth im ZEIT Magazin no. 47 3 – um zu überleben. Das erhöht die Frustration ebenfalls. Obwohl es uns doch „noch“ so gut geht, sind wir trotzdem erschöpft. Wie kann das sein? 

Das, was den Menschen in den“reichen Ländern“ einen kurzen Moment von Sinn in ihrem Leben zu geben vorgaukelt, der Konsum, ist ein großes Stück vom vergifteten Kuchen von dem an dem wir uns nähren. Wir konsumieren und erzeugen damit Wachstum. Um zu konsumieren müssen wir arbeiten und auch damit erzeugen wir meistens Wachstum. Aber je mehr Kuchen wir in uns hinein werfen, desto fetter werden wir. Irgendwann platzen wir, wie Mr. Creosote, aus dem Film der „Sinn des Lebens“  von Monty Python. Aber ohne Wachstum geht es ja angeblich nicht, also werden wir unweigerlich platzen.

Klima, Corona, Krieg, Inflation, Rezession und dann gibt es noch die ganzen anderen Katastrophen, die für die Masse der Menschen auf den ersten Blick nicht wichtig zu sein scheint, die aber dafür sorgen, das es auch in kleineren, privatem Leben der Menschen zur Erschöpfung kommt. Das Gesundheitssystem ist überlastet. Die Schulen sind eine Katastrophe. Die Lage in den Kitas ist schrecklich. Die Preise steigen, die Straßen, Brücken und Schienen sind Marode und das ist nur ein kleiner Teil der Sorgen und Nöte. Die Politik klebt alles mit Geld zu und lässt dann eine PR-Firma die eigene kurzsichtige Handlung als großartigen und langfristige Lösung verkaufen. Der neue Satz des Bürgergeldes, der 50 Euro mehr als der jetzige Hartz IV-Satz beträgt, ist ja schon der Untergang der kapitalistischen Welt bzw. ein großer Erfolg der Politik, je nach dem, wer etwas dazu sagt. Dabei ist es nur ein Witz. 

Wir leben in einer Welt, die wie ein Haus ist, auf das immer noch ein Stockwerk gebaut wird, aber am Fundament wird nichts verändert.  Wenn jetzt eine Etage renoviert werden soll, dann bricht alles zusammen, aber wenn man noch ein Stockwerk baut, dann kracht auch alles zusammen. Trotzdem geht es munter weiter. Wir wachsen, fressen Kuchen und bauen Stockwerk auf Stockwerk. Und dann?

Einwanderung, Bundeswehr, Steuern, Pflege, Rente, Bildung, Medizin und Infrastruktur, all das sind die oben genannten Stockwerke , die eine grundsätzliche Änderung erfordern. Warum zahlen nicht alle in die Rentenkasse ein? Warum ist die Steuererklärung nur noch mit Hilfe von Software oder Beratern möglich? Warum müssen Krankenhäuser Gewinn machen? Wieso gibt es kein vernünftiges Einwanderungsgesetzt und dazu eine sinnvolle Integration? Warum brauchen wir fast 300.000 Soldaten, die dann zwei Tage schießen können und dann mit Steinen werfen müssen? Warum ist in Afrika der importierte, deutsche Joghurt billiger als der einheimische?

Dieses Land, diese Welt ist voll verkorkst. Alles hängt mit allem zusammen und die einzige Antwort, die Politiker und Unternehmen auf die großen Probleme haben ist: Geld und damit Wachstum. An das Märchen „Trickle-down“ glauben ja immer noch sehr viele und verteidigen damit ihre eigenen Pfründe. Lobbyisten verhindern weltweit sinnvolle Änderungen, sei es die Waffen-, die Zucker-, oder die Sonstwaslobby und zementieren damit ihren eigenen Untergang. Glückwunsch. Lobbyisten haben scheinbar keine Kinder.

Kann es nicht auch ohne Wachstum gehen? Wäre nicht eine gesunde Stagnation mal sehr erholsam? Wären wir vielleicht alle weniger erschöpft oder weniger ausgebrannt,  wenn es nicht immer nur um Wachstum gehen würde? Wenn wir die Globalisierung mal ernst nehmen würden? Wir sind eine Gemeinschaft und helfen uns gegenseitig? Statt immer nur zu schauen, wie kann ich noch mehr Geld aus dem weit entfernten Land rausholen?
Utopisch? Wahrscheinlich. 

Die EU hätte die Möglichkeit einen Anfang zu wagen, wenn es nicht dieses völlig undemokratische Konstrukt wäre, mit Einstimmigkeit, Hinterzimmer-Absprachen und Vetorechten. Wachstum kann nicht die Antwort auf die Zukunft sein. Schon gar nicht Wachstum für die einen und Armut für die anderen. Das ist jedem klar, der sich schon einmal ungerecht behandelt gefühlt hat. Wie erklärt man einem Kind, warum die Menschen in einem Land nichts zu essen haben und im anderen werden Tonnen von Nahrungsmitteln weggeworfen? Das verstehe ich leider auch nicht.

Neben den guten Ansätzen von Christian Felber4 zum Postwachstum oder auch Degrowth ist wohl Mut gefragt. Politiker*innen, die eine Vision haben und etwas verändern wollen. Auch gegen Widerstände anderer Parteien und die Interessen der kinderlosen Lobbyisten*innen. Den Mut etwas zu verändern und es vor allem gerecht zu verändern, nicht nur in Deutschland, sondern Global. Es gebe so viele Möglichkeiten dazu. Das Benzin teurer machen, eine Zuckersteuer, eine Kapitalertragssteuer, höhere Erbschaftssteuer, Senkung der Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel, eine extra Fleischsteuer und gerechte Preise für Landwirte. 

Was könnten wir für ein schönes Leben haben – ich meine alle Menschen – wenn Religion Privatsache wäre, die Wirtschaft dem Menschen dienen würde, die Gier als Straftat behandelt werden würde,  die Maslowsche Bedürnishierarchie (5)  auf der ganzen Welt für alle erfüllt ist und Unrecht  ein Relikt der Vergangenheit wäre. Eine Welt, in der die eine Hälfte eben nicht im Luxus lebt, während die andere kaum weiß, woher sie Trinkwasser oder etwas zu Essen bekommen kann. Sondern alle friedlich zusammen leben. Wo wir nicht Leben um zu arbeiten sondern arbeiten um zu leben.Utopisch? 


  1. https://brf.be/national/1486937/
  2. https://www.merkur.de/leben/geld/renteneintrittsalter-rente-eintritt-beitraege-geld-ruhestand-rentenversicherung-renteneintritt-zr-91929140.html
  3. ZEIT Magazin no. 47 vom 17.11.2022 – Johanna Roth „Das Monster schläft nie“ Seite 36
  4. https://www.oekorausch.de/wirtschaft-ohne-wachstum/ und https://christian-felber.at/christian-felber/
  5. https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bedürfnishierarchie

Wir sind einfach zu alt.

Warum ändert sich in Deutschland so wenig? Warum erscheint es vielen so egal zu sein, was in diesem Land alles nicht geschieht?

Könnte es am Alter unserer Bevölkerung liegen? Offensichtlich. 47.5 Millionen 1 sind in diesem Land über 40 Jahre alt. 24,43 Millionen sogar über 60 Jahre alt. Yeah. Die Hälfte der Einwohner ist über 40 und mehr als ein Viertel sind schon über 60 Jahre dabei.

Warum sollte sich diese Gruppe der Ü-60 jährigen noch um die Bildung von Kindern und Jugendlichen kümmern, geschweige denn dafür kämpfen? Ich meine das nicht einmal böse oder abfällig. Warum sie sich nicht für die Pflege und die Zustände in diesem Bereich interessieren, ist allerdings mysteriös. Tempolimit, Rente, Bildung, Fachkräftemangel, Digitalisierung, Steuern und der Klimawandel, alles Themen, die dieses Land unbedingt angehen muss. Aber alles was die Ampelkoalition macht, ist ein weiter so und Pflaster auf die Wunden kleben. So wie die vorherige Regierung es auch gemacht hat. Bravo.

Alter Mann geht auf der Straße

Einer von vielen, vielen, vielen Millionen alten Menschen. | Foto: Markus Hansen

Nur die Bürger nicht aufregen. Wie den meckernde Opa aus einem Mehrfamilienhaus, der bei jedem Geräusch nach 13:00 Uhr „Mittagsstunde“ brüllt. Alles muss leise sein. Die sinnfreien Entlastungspakete sind ein Beweis für den Unwillen etwas anzugehen. Genauso wie die Bildungspolitik und der Umgang mit den Jungen im Allgemeinen. Welche Altersgruppe wurde während der Hochzeit der Pandemie vergessen und ignoriert? Kita-Kinder,  Schüler und Studenten. Ein Armutszeugnis.

Das neueste Entlastungspaket wird 65 Milliarden 2 groß sein. Wahnsinn. Studenten dürfen sich auf 200 Euro freuen. Wahnsinn. Ein Teil des Geldes aus dem aktuellen Entlastungspaket für die Arbeitnehmer von 300 Euro holt sich der Staat ja gleich wieder zurück. Wahnsinn. Wem soll dieses Geld langfristig helfen? Wenn wir uns doch auf harte Zeiten einstellen müssen? Zeiten ist Plural, also wird es wohl etwas länger als einen Monat dauern. Bekommen wir jetzt alle paar Wochen einen Batzen Bares?

„Die Bundesregierung wird die Umsetzung der international vereinbarten globalen Mindestbesteuerung bereits jetzt national beginnen. Das führt langfristig zu Mehreinnahmen in Milliardenhöhe.“

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Die Steuern könnten dann doch national auch gerne etwas höher ausfallen als die vereinbarten 15% und es stellt sich die Frage, warum erst jetzt? 

Vieles ist und bleibt Flickwerk und es ist offensichtlich, das eine wirkliche „Zeitenwende“ nicht kommen wird. Wäre es nicht vernünftig, alle Gewinne mit einem Prozentsatz von X zu besteuern? ALLE Gewinne von ALLEN. Wäre es nicht hilfreich, die Mehrwertsteuer auf gesundes Essen zu senken und die auf zuckerhaltige Nahrungsmittel zu erhöhen? Die Bürger mitnehmen oder abholen. Ihnen erklären, das es vorbei ist mit dem fossilen Wahnsinn. Das wir alle sparen müssen und zwar nachhaltig. Der CO2-Preis wird auch nicht erhöht, statt dessen wird Gas subventioniert, genauso wie Diesel und Benzin. Also gibt es genau die gegenteiligen Anreize, und irgendwie scheint die Priorisierung falsch zu sein, denn „Auto fahren“ ist hinter „Planet retten“ – eigentlich.

Wir sind der Staat und wir sind in der Lage mit jeder Situation umzugehen, das hat die Pandemie in großen Teilen gezeigt. Wenn man den Menschen – also uns – die Wahrheit sagt und sie mit ins Boot holt. Ich behaupte nicht, das ich die Lösungen kenne. Es werden auf jeden Fall mehrer Lösungen sein müssen, da die momentane Situation und die Aufgaben unfassbar komplex sind. Aber die Bürger in Watte zu packen hilft nicht. Wir sollten alle mit anpacken und verstehen, das es Ernst ist und das es etwas kosten wird. Es muss das teuerer werden, was schlecht für den Planeten ist, dazu gehört auf jeden Fall der Co2-Preis.

Aber der Kreis schließt sich, wir und unsere parlamentarischen Vertreter sind zu alt. Im deutschen Bundestag sind 79,4 Prozent zwischen 40 und 69 Jahre alt – davon 50,3 % älter als 50 Jahre 3. Ungestüm los revolutionieren ist da nicht mehr drin. So schaukeln wir lustig begleitet von Volksmusik und Rate-Shows einfach weiter auf unserem Butterdampfer und sind besorgt aber nicht beunruhigt. Das Alter macht milde und so betrachten wir das System „Deutschland“, in dem es 200 Gesetzte 4 braucht um Steuern einzutreiben, mit einem Lächeln auf den schmalen Lippen. Wir benutzen die alten aber bekannten Schlupflöcher und windet sich so durch. Gerechtigkeit fängt ja bei mir an. Steuern sparen ist ein Volkssport und viele Firmen gehen als Pioniere voran und sparen sich reich.

Aber Wasser sparen? Meine Pflanzen in meinem Garten brauchen Wasser. Läuft.

Oder Sprit sparen? Ich fahr auch mit SUV zum Bäcker, danke Christian. Gut.

Gott bewahre, gar Energie sparen? – Hell erleuchtete Schaufenster, in einer menschenleeren Innenstadt sind ein Zeichen von Freiheit, wie 190 km/h auf der Autobahn fahren. Nochmal danke, Christian.

Routine ist ein starkes Gift und Gewohnheiten sind, je älter man wird oder ist, ein Grundpfeiler der Tagesstruktur. Wir sind alt, die Politiker sind alt und die Arthritis in den Schultern verhindert das Bewegen des Steuerrades und da ist es wohl einfacher, dem Bürger Sand in die Augen zu blasen und ihn mit Geld – das nicht reichen wird – zu sedieren. Schlaft gut. 


  1. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1365/umfrage/bevoelkerung-deutschlands-nach-altersgruppen/
  2. https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/drittes-entlastungspaket-2082584
  3. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/70089/umfrage/altersstruktur-der-abgeordneten-im-bundestag/
  4. https://www.welt.de/print-welt/article327916/Der-deutsche-Steuer-Dschungel.html

Daran glaubt doch keiner!

3. Juli 20222 von Markus Hansen

Glaubt jemand daran, dass  in den nächsten 10 bis 20 Jahren, die Menschen auf das Autofahren oder gar auf Fleisch verzichten werden? Ist es denkbar, das Profit sich hinten anstellen muss? Hinter: Umwelt, Menschlichkeit, Frieden oder Glück? Solche radikalen Änderungen sind kaum vorstellbar.

Wie sollte es aussehen, dieses Leben?

Wir duschen nicht mehr so oft und lange. Wir fahren Fahrrad oder Bus und Bahn. Arbeiten im Homeoffice, da sich Unternehmen keine protzigen Bürotürme mehr bauen lassen wollen bzw. es sich nicht leisten können. Unsere Innenstädte sind ruhiger. Supermärkte haben verkürzte Öffnungszeiten und ein drastisch reduziertes Angebot. Holz und Wasser sind teuer wie Gold. Schlange stehen ist der Normalzustand: Für Essen, Wasser, Medikamente oder Papier. 

Es wird Klimaräume geben, dort kann man sich vor der Hitze erholen. Sonnenenergie wird endlich flächendeckend auf allen Häusern angebracht. Jede Rasenfläche wird zur Anbaufläche umgewandelt, überall stehen Fässer herum, damit jeder Tropfen Regenwasser gesammelt werden kann. 

Ich bin so fest in diesem Konsumleben verhaftet, das es mir schwer fällt, mir all die verschiedenen Szenarien vorzustellen. Die Privilegien, die ich jahrzehntelang für meine Normalität hielt, sind tief in meiner DNA eingebaut. Einen Computer kaufen? Kein Problem. Im Winter Erdbeeren besorgen, die dann zwar nicht schmecken, eine Weltreise hinter sich haben und eine chemische Behandlung hatten? Kein Problem. Strom und Wasser, immer und überall verfügbar. Nahrungsmittel in kilometerlangen Regalen und in Batterien von Tiefkühltruhen. Normal, für mich. Mal kurz mit dem Auto an die Ostsee. Normal. Bei 35 Grad im Schatten in einem 20 km Stau mit laufenden Motorren stehen? Normal. Alles ist überall Verfügbar. Immer. Schuhe bestellen und dann wieder zurückschicken? Normal und die Retoure oft auch kostenlos. 

Damit sollte Schluss sein, aber wie schon dieses halbherzige Verbot des Verbrennungsmotors zeigt, sind die politisch Verantwortlichen, genau wie ich und die Bevölkerung im Bann ihrer Privilegien. Politiker kämpfen dazu noch mit der drohenden Bedeutungslosigkeit, wenn sie gegen Ihre Wähler agieren. Traurig.

Zukunft? Das sind die anderen. Freiheit? Das sind wir.

Wir wollen die Freiheit, auch weiterhin so zu leben, wie wir es gewohnt sind. Die anderen sollen doch mal aufhören uns nachzueifern. Die sollen sich mal nachhaltig verhalten und ihr Land schützen. Ich muss mich nur an irgendeine Ampel in meiner Heimatstadt stellen und sehe tausende Tonnen Blech an mir vorbei rollen, jeweils mit einer Person darin, die sich offensichtlich nicht vorstellen kann, das Punkt B auch ohne Auto zu erreichen Ist. Solange es Menschen gibt, wahrscheinlich sogar mit einem Hochschul-Abschluss, die ein Tempolimit auf Autobahnen für einen Eingriff in die persönliche Freiheit halten, ist es für mich kaum vorstellbar, das es mittelfristig eine Änderung in unserem Verhalten gibt. 

Glaubt noch jemand, das wir etwas ändern können oder haben wir nicht schon aufgegeben? Es gibt noch die Möglichkeit, das wir etwas naiv sind und auf die potenzielle Kreativität der Ingenieure und Wissenschaftler setzen und deshalb meinen, das wir weiterhin billiges Fleisch grillen, 190 km/h auf der Autobahn fahren, für wenig Geld nach Mallorca fliegen und unseren Rasen mit Trinkwasser versorgen können. Fakt ist, wir machen zu wenig, weder bauen wir wie bekloppt Solaranlagen auf jedes noch so kleine Dach, noch Windkrafträder in jede Ecke. Wir fressen, saufen und fahren uns in den Abgrund.

Wir sitzen in der Falle. Politiker, die sich nicht trauen das Notwenige zu beschließen oder es einfach nicht können. Menschen, die weiter in ihrem Normal-Leben verharren  und auch bei Spritpreisen von fast zwei Euro, den Motor laufen lassen und am Handy werkeln. Probleme, die alles übersteigen, was die Menschheit bisher meistern musste und zu all dem noch den Faktor Zeit im Nacken. Eigentlich müssten wir sagen: Packt zusammen, wir ziehen auf die andere Erde. Das wäre famos. 

Am Ende ist es nicht die Vernunft, die sich in der Bevölkerung durchsetzt, langsam wächst, gedeiht und dann gelebt wird. Nein, es wird der Zwang sein. Wir werden gezwungen sein, die ganzen Mastschweine aufzufressen, unsere Autos zu verschrotten, Wasser und Energie zu sparen und all den Scheiß, der da noch auf uns zu kommt. Die Vernunft ist nicht unser Leitstern, das war sie noch nie. Die Vernunft ist das Buch im Regal, das so dick ist, das es keiner lesen will. Der Klimawandel, das Artensterben und die Umweltverschmutzung bewegen sich so langsam, das sie ihren jeweiligen Kipp-Punkt überschreiten, ohne das wir es mitbekommen. Jahrzehnte lange Warnungen verlieren ihre Strahlkraft und assimilieren sich in den Kanon von schlechten Nachrichten, Bedrohungen, Untergangsszenarien und der Realität. Das trägt dazu bei, dass das  „weiter so“ so hartnäckig in uns arbeiten  kann. Wir alle wissen was los ist, aber wir wissen auch, das wir es nicht wissen wollen. So werden wir oder die, die nach mir kommen, das Wort „gezwungenermaßen“ öfter hören. Gezwungenermaßen.


Musikvideo | Teilen oder Herrschen

Teilen oder Herrschen von mhmedia.de stellt die Frage, wie wir in der unbestimmten Zukunft zusammen leben wollen.


Teilen oder Herrschen

WIr sind satt und bleiben abgelenkt
Sonntags gibts manchmal die BIld geschenkt
Die Schere spreizt ihre  langen Beine 
auf der falschen Seite ist man nie alleine

Wir sind stumm und müssten eigentlich schreien
so kann es ganz  bestrimm nicht richtig sein
Menschen sterben und wir sagen kein  Wort
schalten weiter zu Tratsch oder Sport

Wo geh´s hin, wenn es weiter geht?
wie leben wir, wenn nichts mehr steht?
Teilen oder herschen wir 
Bauen wir Zäune oder leben alle hier

Wir sind abgestumpft alles ist egal
sterben und leiden ist weit weg und national
Auch der höchtse Zaun wird irgendwann fallen
denn das Elend kann seine Kräfte ballen

Wie lange soll das noch so weiter gehen?
die zeit ist reif für einander einzustehen
Wenn jeder etwas gibt ist für alle was da
wann wird das auch dem (dümmsten) letzten klar?

Wo geh´s hin, wenn es weiter geht?
wie leben wir, wenn nichts mehr steht?
Teilen oder herschen wir 
Bauen wir Zäune oder leben alle hier

Wo geh´s hin, wenn es weiter geht?
wie leben wir, wenn nichts mehr steht?
Teilen oder herschen wir 
Bauen wir Zäune oder leben alle hier

Text und Musik: Markus Hansen © 2022


Komplex und frustrierend

6. Februar 2022 | Markus Hansen

Ich sitze am Küchentisch und fabuliere über die Welt. Warum essen Menschen Tiefkühlpizza? Warum stellen Menschen Tiefkühlpizza her, wenn diese doch zu den ungesunden Nahrungsmitteln gehören? Am Ende, und das ist nicht besonders überraschend, ist die Antwort: Geld. Warum fahren an meinem Fenster jeden Tag tausende von Autos vorbei, obwohl das dem Klima nicht zuträglich ist? Warum machen wir – ich meine uns alle – einfach weiter? Es liegt nicht daran, das wir es nicht verstehen oder nicht wollen. Keiner möchte, das Schweine, Rinder, Hühner in ihrer eigenen Scheiße stehen, vollgepumpt mit Antibiotika und ungesundem Sojafraß. Den wir aus Südamerika beziehen, wo wir vorher die Wälder roden und damit den dort lebenden Tieren und Menschen die Heimat entziehen. Oder will das jemand?

Die Werbung verkauft uns doch jeden bescheuerten Joghurt so, wie wir es wollen sollten. Auf einer Alm, glückliche, gesunde Kühe. Eine hübsche Frau rührt in einer ästhetischen Umgebung unseren Joghurt an, blablabla. 

Ich will das nicht. Deshalb esse ich weniger Fleisch. Aber das merkt ja keiner – außer mein Körper. Es ist auch nur mein Körper, der es merkt, wenn ich Fahrrad statt Auto fahre. Überhaupt, bin es meist nur ich, der etwas davon merkt. Bei den Millionen von Hühnern, die jedes Jahr geschlachtet werden, fällt mein „nicht“ essen gar nicht auf. Die sind trotzdem Tod. 

Das frustriert. Ich rette den Planeten und der merkt das nicht. Ich verschone die Tiere und auch die merken das nicht. Niemand merkt irgend etwas. Das ich Sodastream statt  Mineralwasser in PET-Flaschen nutze, macht den Berg von Plastikmüll auch nicht kleiner. 

Die Welt ist komplex. Zu komplex für mich alleine. Alles hängt zusammen und trauriger Weise ist das „weiter so“ spürbarer als das verzichten – oder auch nicht. Ich glaube, das „weiter so“ wird uns noch zu lange begleiten. Denn welcher von unseren Politikern sollte es denn sein, der aufsteht und sagt: „Wir ändern das jetzt!“ Wir könnten ganz klar definieren, was wir wollen und was wir nicht wollen. Aufgrund dieser Definition, wird dann das teuer bis unbezahlbar was wir nicht wollen und das günstiger, was wir wollen.

Benzin und Diesel werden teuer, weil wir sie nicht mehr wollen. Alles mit Zucker wird teurer. Fleisch wird teuer, weil wir das, besonders in dem jetzigen Auswüchsen, auch nicht wollen. Gemüse, Bus und Bahn und  Ökostrom werden günstiger. 

Wann soll das geschehen? 

Wohl erst dann, wenn es zu spät ist. Denn ich lese, höre und sehe viel vom Klimawandel und/oder der Klimawende aber passiert auch etwas? Wie lange hat es gedauert, bis die Plastiktüte und das Plastikgeschirr verboten wurden? Jetzt hat die EU entschieden, das Atom- und Gaskraftwerke als nachhaltig einzustufen 1 sind, damit sich noch Investoren finden, die in diesem Bereich ihr Geld verbrennen können. Waaas?

Wenn sich Verhalten ändern soll – und sogar mit Deadline 2 – dann muss es dafür den gleichen Anreiz geben, der Leute dazu bringt Tiefkühlpizza zu essen. Es muss sich lohnen und es muss daran verdient werden können. Ich weiß, das trifft auf die Pizza nicht unbedingt zu. Allerdings spart man Zeit, sie belastet die Haushaltskasse nicht allzu stark und sie macht satt. Das gilt als „sich lohnen“.

Ich resümiere: Zur Zeit ist nicht viel zu merken von Klimawende, außer Worte und Versprechen. Die Welt und das Leben im allgemeinen und im besonderen sind extrem komplex und der einzelne erscheint zu einzig um mit seinem Verhalten sichtbare Veränderungen auf den Weg bringen zu können. Es scheint, als begreifen und verstehen wir nicht, als ignorieren und verharmlosen wir die Klimaproblematik. Das zeigt auch wunderbar der Artikel von Jonathan Safran Foer in der Zeit 3

Das Problem ist da. Wir wissen das. Wir sehen das. Jetzt sollten wir langsam anfangen unser Leben zu ändern. Jeder einzelne.


  1. https://www.zeit.de/politik/ausland/2022-02/eu-kommission-stuft-atomkraft-und-gas-als-nachhaltig-ein?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F
  2. https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/klimaschutz/klimaschutzgesetz-2021-1913672
  3. DIE ZEIT, No 52, 16. Dezember 2021, Seite 57 „Höhere Gewalt“ von Jonathan Safran Foer

Was ich mich frage? – Wer hat jetzt die Wahl gewonnen?

25,7 Prozent (1) der Menschen, die sich an der Bundestagswahl beteiligt haben, gaben ihre Stimmen der SPD. Die Wahlbeteiligung lag mit 76,6 % (2) etwas höher als bei der letzten Wahl, aber was ich mich frage: Ist es nicht bemerkenswert, das 75% der Wähler die SPD und damit Olaf Scholz nicht wollten?

Wahlplakate in Hamburg. Foto: Markus Hansen

Die meisten Stimmen aber nicht gewonnen.

Noch mal anders:
Wahlberechtigt waren dieses Jahr 60,4 Millionen Bürger (3) und davon haben nur ca. 75 Prozent ihre Stimme abgegeben. Damit haben etwas mehr als 45 Millionen Menschen gewählt. Also gerade einmal 11,5 Millionen von 60 Millionen (und davon auch nur 76,6%) haben sich für die SPD entschieden.
Wer hat jetzt die Wahl gewonnen?

Wir Wähler auf jeden Fall nicht, denn jetzt wird es zäh und voller Kompromisse oder eben auch nicht. Jetzt bekommen wir von allem ein bisschen. Bisschen sozialdemokratisches weiter so. Bisschen liberaler Wirtschaft-zu-erst-Quatsch. Bisschen grüne Halbherzigkeit.
Nur brauchen die anstehenden Aufgaben mehr als ein bisschen von allem. We kunnen nieusgierig zijn.


  1. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1248833/umfrage/ergebnis-der-bundestagswahl-2021/
  2. https://www.bundestagswahl-2021.de/wahlbeteiligung/
  3. https://www.bundeswahlleiter.de/info/presse/mitteilungen/bundestagswahl-2021/01_21_wahlberechtigte-geschaetzt.html