Der große Zapfenstreich auf dem Rathausmarkt in Hamburg am 16. Juni 2003 | Foto: Markus Hansen | Vertrieb: actionpress
Nach dem ersten Gelöbnis nach 25 Jahren von Bundeswehrsoldaten auf dem Rathausmarkt in Hamburg kam danach der große Zapfenstreich am Abend. Während des Gelöbnisses, waren Demonstranten auf ein Dach gestiegen und haben ein Plakat entrollt, auf dem zu lesen war: „Tucholsky hat Recht“. Dies bezieht sich auf die Aussage Kurt Tucholsky´s, der sagte: „Soldaten sind Mörder.
Proteste gegen das Gelöbnis auf Rathausmarkt in Hamburg am 16. Juni 2003 | Foto: Markus Hansen | Vertrieb: actionpress
Mehrere Hundertschaften der Polizei waren vor Ort, um auf die Ehrengäste und die Soldaten aufzupassen. Trotzdem gelang dieser für uns Fotografen wunderbare Protest der Gelöbnisgegner auf dem Dach. Da der Rathausmarkt weiträumig abgesperrt war, musste ich schon sehr viel früher vor Ort sein als nötig.
Ich habe noch mehr Fotos gemacht und bei fragen gerne melden.
Eine kleine Gruppe von Menschen lebte irgendwo in einem Wald. Einige gingen auf die Jagd und beschafften Nahrung, die anderen blieben und kümmern sich um andere Dinge. Alle Bedürfnisse wurden befriedigt. Jeder machte das, was nötig war und alles wurde geteilt. Nach ein paar Stunden war alles erledigt und jeder konnte tun, was er wollte. Irgendwann hat irgendjemand sich gedacht, es wäre doch super, wenn wir das Essen nicht suchen und jagen müssten, sondern, wenn wir es selbst anbauen bzw. halten würden. Nach diesem Geistesblitz fing der Bau des Holzweges an. Auf dem wir immer noch sind.
Jetzt musste also das, was die Natur bisher von selbst erledigt hatte, von Menschen übernommen werden. Ein Wald wurde gerodet, es wurde gesät, gepflegt und geerntet. Tiere wurden eingesperrt, vermehrt, geschlachtet und gefressen. Von nun an, war jede Stunde jedes Tages mit Arbeit belegt. Aus einer Vielzahl von Nahrungsmitteln wurden einige wenige. Aus ein paar Stunden Arbeit am Tag wurden viele.
Der Blick in die Zukunft, weiter auf dem Holzweg. | Foto: Markus Hansen
Der Holzweg wurde breiter und breiter und immer länger.
Aus den Bauern wurde Angestellte mit Burnout, Adipositas und Rückenschmerzen. Perfekt. Ein Weg zurück gibt es nicht, dafür ist die Gruppe mittlerweile zu groß und die Wälder zu klein. Die Menschen, die heute in Regionen leben, in denen noch viele von der Landwirtschaft leben müssen, sind arm und kommen auf keinen grünen Zweig. In den „dicken“ Industrieländern gibt es nur noch wenige Landwirte (1) und die bauen immer das Gleiche an. Die Ernte fressen meistens die eingesperrten Tiere oder sie wird zu Biosprit verarbeitet. Die „Bauern“ zogen irgendwann in die große Stadt und wurden zu Arbeitern und Angestellten und träumen seither von einem Leben ohne oder mit sehr wenig Arbeit in Ruhe und Zufriedenheit. Jeder möchte reich sein um sich dem „Leben“ hinzugeben.
„Arbeitet, arbeitet, Proletarier, um das Gesellschaftsvermögen und euer individuelles Elend zu vergrößern, arbeitet, arbeitet, damit ihr, wenn ihr ärmer werdet, noch mehr Gründe zum Arbeiten und zum Notleiden habt. Das ist das unerbitterliche Gesetz der kapitalistischen Produktion.
Dadurch, dass die Proletarier den trügerischen Reden der Ökonomen Gehör geschenkt und ihren Körper und ihre Seelen dem Laster der Arbeit ausgeliefert haben, stürzen sie die gesamte Gesellschaft in diese industriellen Krisen der Überproduktion, die den gesellschaftlichen Organismus erschüttern. Da es daher ein Überangebot an Waren und ein Mangel an Käufern gibt, schließen die Fabriken und der Hunger geißelt die Arbeiterbevölkerung mit seiner tausendriemigen Peitsche.“
Paul Lafargue „Das Recht auf Faulheit“ Reclam [Was bedeutet das alles?] Seite 23
Die Holzweg-Methode wurde auf alle mögliche Bereiche des Lebens ausgebaut und definiert einen Zustand, indem das Leben im Hier und Jetzt zwar als wünschenswert erachtet wird, aber es erst in der fernen Zukunft – im Rentenalter – erlebt werden kann. Verrückt. Alles was zählt, ist mehr von allem und zwar immer. Besonders Geld. Alles was kein Geld einbringt ist wertlos und wird auch so behandelt.
Kinder, Kranke und Alte
Kinder. Kosten nur aber bringen vielleicht in ferner Zukunft Geld ein. Dennoch gibt es international zu wenig Schulen für alle Kinder. National sind die Schulen in einem schrecklichen Zustand, es fehlen Lehrer, die Klassen sind zu groß und die Chancengleichheit ist ein Trauerspiel. Es fehlen Erzieher und die die da sind arbeiten am Limit, mit zu großen Gruppen auf oft zu kleinen Räumen.
Kranke. Kosten nur und bringen in naher Zukunft wieder Geld ein. Krankenhäuser müssen Gewinn machen, es fehlen Pflegekräfte und Ärzte und Ärztinnen, die Mitarbeiter sind überlastet. Kassenpatienten warten monatelang auf einen Termin und viele Behandlungen werden von der Kasse nicht übernommen.
Alte. Kosten nur und bringen auch in der Zukunft kein Geld. Es fehlen Pflegekräfte, die auch noch schlecht bezahlt werden. Die Bewohner werden ruhig gestellt und vernachlässigt. In Großstädten vereinsamen die Rentner immer mehr. (2)
Deshalb wird nur das gefördert, was Geld bringt und der Rest muss zusehen wie er klar kommt. Gute Bildung ist teuer. Krankenhäuser sind teuer. Gute Pflege ist teuer. Demnach gibt es das „Gute“ nur für Kinder, Kranke, Pflegebedürftige, die Geld haben oder jemanden kennen, der es hat und ihnen gibt. Der Rest kommt in die normalen Einrichtungen oder eben auch nicht.
Der traurige Ist-Zustand
So leben wir unter dem Zwang etwas leisten zu müssen, das Geld für die Gemeinschaft bringt. Leistung und Geld sind das, was die Gesellschaft braucht, was sie anerkennt und was sie wachsen lässt. In diesem Szenario gibt es kein Ende. Das System muss expandieren um zu existieren. Traurig.
So lebt, in vielen Fällen, jedes Tier glücklicher als viele Menschen.Es gibt Menschen, die müssen in Löchern tief in der Erde nach Gold, Kohle, Diamanten oder anderen Rohstoffen buddeln und haben am Ende des Tages kaum etwas zu essen für sich und ihre Familien. Kinder, die anstatt in einer Schule zu lernen auf Müllbergen nach brauchbaren Dingen suchen, damit sie ihre Familien finanziell unterstützen können. Warum?
Ein weiterer Holzweg auf dem sich die Menschheit befindet ist die Unterdrückung der einen Hälfte der Weltbevölkerung. Frauen werden seit Jahrhunderten als nicht gleichberechtigt angesehen. Dabei bekommen sie die Kinder und leisten genauso viel oder mehr wie das andere Geschlecht Aus welchem Grund auch immer, es ist falsch und zeigt, das die Konstrukteure dieses Holzweges hauptsächlich die Pimmelträger sind. Es lässt sich noch weiter einkreisen, wer den Holzweg geschreinert hat: Nicht nur Frauen wurden und werden unterdrückt, sondern auch diverse Minderheiten und Menschen mit dunkler Hautfarbe. Das bedeutet, es sind die weißen Pimmelträger, die uns diese Irrwege von Religion, Krieg, Kapitalismus, Sklaverei, Umweltzerstörung, usw. eingebrockt haben.
Öl und Kohle wird aus den Tiefen der Erde gefördert, um es zu verbrennen, damit wir mobil sind und der Strom aus der Steckdose fließt. Der Wind, die Sonne und das Wasser können das gleiche. Aber wir graben die Energie lieber aus dem Dreck – Arbeit und Leistung – echt clever. Das Windrad gibt es schon ziemlich lange, auch die Wasserkraft wird schon lange verwendet, das auszubauen war wohl zu einfach.
Dys- oder Utopie
So leben wir in riesigen naturfernen Städten, umgeben von schlechter Luft und nie verklingendem Verkehrslärm. Ernähren uns ungesund. Sind vom Stress abgeschlagen und matt. Aber es gibt kein Zurück mehr, es geht nur nach vorne und nach oben, denn wir haben uns in eine aussichtslose Situation gebracht, in der wir, ganz entgegen unseren natürlichen Anlagen leben. So werden wir uns langsam aber sicher selbst krank machen und sehr wahrscheinlich vergiften. Kinder können sich nicht richtig entwickeln, da ihnen die wichtige Bewegung in der Natur fehlt und nach der meist sitzende Schulzeit kommt vielleicht ein Studium oder eine Lehre in einem Büro. Später dann die Arbeit am Schreibtisch und so sitzen die Menschen viel zu oft und lange herum, obwohl wir uns sehr viel mehr Bewegen müssten.
Was wir alles nicht machen
Kaum jemand steht gerne im Stau. Über die Qualität der Fertigprodukte und Fast Food-Ketten ist auch so gut wieder jeder im Bilde. Trotzdem geht alles so weiter. Wir wissen bzw. ahnen was passieren wird, mit der Umwelt, mit uns, mit dem Planeten – aber es geht immer so weiter. Der Blutstrom des Geldes darf nicht stehen bleiben. Wir wissen, was wir machen müssten, aber es ist zu unbequem, zu konfliktreich. Der normale Arbeitnehmer möchte mit dem Auto die vier Kilometer zur Arbeit fahren und der ist ja auch ein Wähler und jede Stimme zählt.
Also lassen wir das mit dem Benzinpreis von 8 Euro pro Liter und verzichten auf das Tempolimit. Statt eines Rechen nehmen wir den benzingetriebenen Laubbläser und so weiter und so weiter. Wir sind auf einem unfassbaren Holzweg, und zwar weltweit. Es gibt nur sehr wenig Anzeichen dafür, dass wir mal stehenbleiben und uns mal anschauen, was wir haben, was wir erreicht haben und viel wichtiger, wo wir hin wollen.
Weiter gehen
In was für eine Welt schubsen wir unsere Kinder hinein? Wie könnten wir das Leben auf diesem Planeten so verändern, das wir alle ein gutes Leben haben? Kapitalismus kann es nicht sein, den der schließt alle aus, die nicht so können wie sie müssen sollen. Sozialismus ist es auch nicht, der ist in der heutigen Form Kapitalismus mit Diktator in Rot. Eine Utopie wäre schön. Eine realistische Utopie. Dafür müsste aber mal ein Halt eingelegt werden und es müssten sich alle zu etwas verpflichten. Utopisch!
Da wir immer weiter laufen, werden weiterhin jedes Jahr Millionen von Menschen sterben und die Ursachen sind:
zu fett
schlechter Luft
Stress
Flucht
Krieg
Religion
Hitze
Dürre
Hunger
Lärm
Klimaveränderungen
usw.
Für dieses Jahr haben wir die natürlichen Ressourcen der Welt schon aufgebraucht. Drei Planeten bräuchten wir, wenn alle so Leben würden, wie wir hier in Deutschland. Genau so katastrophal ist es, dass das System „Wachstum“ die Menschen weltweit krank macht und wir das System nicht wechseln können. Denn es gibt nur dieses eine System und mittlerweile ist es weltweit aktiv. Es basiert auf Ungerechtigkeit und darauf, das viele Menschen für einige wenige arbeiten. Die Konzentration des meisten Kapitals auf einige wenige Menschen ist ebenfalls einunzumutbarer Zustand.
Der Holzweg auf dem wir uns befinden ist gegründet auf Ungerechtigkeit gegenüber Millionen von Menschen über Jahrhunderte hindurch und wird auch in den nächsten Jahren fleißig benutzt werden. Kein innehalten, kein zurück. Zur Sicherung des eignen Wohlstandes werden Mauern und Zäune gebaut, um Waren und Geld durch zu lassen, aber die Menschen fern zu halten. Das System komplett zu ändern ist aussichtslos. Es gibt zu viel zu verlieren für einige wenige. Die einzige Hoffnung ist, das Holz irgendwann morsch und brüchig wird. Aber wie lange das wohl noch dauert?
Generalsekretär Olaf Scholz und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder erklären, verteidigen bei der Regional-Konferenz in Hamburg ihre Reformpläne, die unter dem Namen „Agenda 2010“ berühmt werden. 07.05.03
Vor der Fischauktionshalle in Hamburg waren einige Demonstranten, die die ankommenden mit Pfiffen und Sprüchen bedachten. Das Licht war gut, es gab kaum vorgaben für die Fotografen und Gerhard Schröder redete in seinem typischen „arbeiterfreundlichem“ Ton. Irgendwann rief ein Mann aus dem Publikum etwas und Schröder reagiert freundschaftlich mit dem Satz, „Wir kennen uns doch schon so lange,…“ Woraufhin der Rufende zurück gab: „Wir haben uns noch nie persönlich getroffen.“
Neil Young allein mit seiner Gitarre und Mundharmonika am 29. April 2003 im CCH in Hamburg Foto:Markus Hansen | Vertrieb: actionpress
Neil Young, ein Musiker, den ich erst kurz vorher zu schätzen gelernt habe. Irgendwo hatte ich das Riff von „My My, Hey Hey (Out Of The Blue)“ gehört und ich durchsuchte das ganze Internet nach dem Sänger und diesem Lied. Ich fand die nötigen Daten und kaufte mir „Rust Live“.
Ein großer Fan wurde ich nie, aber dieses Lied und auch einige andere sind wunderschön. Während seines Auftritts in Hamburg, war ich als Bildjournalist akkreditiert und stellte zu meinem Ärger fest, was „Solo accustic“ bedeutete: Schlechtes Licht. Das war nicht hilfreich und der Musiker saß auf einem Stuhl und blickte nur nach vorne. Ich wurde an die Seite beordert und hatte nun drei Lieder Zeit, ein Bild von ihm zu machen.
Besonders glücklich bin ich mit der Begegnung nicht gewesen. Aber ich hatte ihn eine kurze Weile live gesehen. Das Riff und den Singer-Songwriter finde ich immer noch gut.
Vom 1. bis zum 28 April zeige ich in der HASPA-Filiale (Poppenbütteler Weg 195 in Hamburg) eine Auswahl meiner Bilder. Der Titel UnOrdnung bezieht sich auf die Welt in der wir leben genauso wie auf die Art und Weise wie die Bilder entstanden sind. Viele Werke haben eine Ordnung und einen unordentlichen teil.
Der Wunsch des Menschen nach Ordnung in und um sein Leben erscheint in der heutigen Welt fast unmöglich zu realisieren. Also schaffen wir uns Orte, die wir kontrollieren können. Orte, die uns zur Ruhe kommen lassen und in denen wir uns sicher fühlen können. Das Bild Ausgrenzung zeigt eine Geometrische Form, die wie ein Rand das Bild teilt. Es gibt den inneren Bereich und den Äußeren welcher Bereich jetzt ausgegrenzt ist, das entscheidet der Betrachter. Kommen die einen nicht rein oder die anderen nicht hinaus?
SPD-Generalssekreär Olaf Scholz auf einer Kundgebung gegen den drohenden Krieg im Irak auf dem Gänsemarkt in Hamburg am 1. März 2003 | Foto:Markus Hansen | Vertrieb: actionpress
Mit Haaren und leichtem Doppelkinn sieht Olaf Scholz hier noch zuversichtlich und entspannt in meine Kamera. Die Demonstration und auch die Rede von Olaf Scholz haben den Krieg der USA gegen den Irak nicht verhindern können. Was wohl auch an dem unbedingten Willen der USA lag, diesen Krieg zu führen. Aufgrund der ergebnislosen Suche nach Massenvernichtungswaffen wurde ein Land in die Steinzeit gebombt und dabei verloren nach neuesten Schätzungen 500.000 Menschen ihr Leben 1. Für nichts und wieder nichts. Weder haben die USA und der Reigen der Willigen dem Irak Frieden, Demokratie oder Freiheit gebracht, noch konnte irgend jemand etwas gewinnbringendes aus diesem Krieg mitnehmen. Die Profiteure waren die Waffenlieferanten. Vielleicht war das ja auch der einzige Grund für diesen Krieg. Wie nach jedem Krieg gab es nur Verlierer.
Wozu braucht ein Mensch 150 Milliarden Dollar? Diese Summe ist so unvorstellbar hoch, dass sich diese Frage unweigerlich einstellt, wenn man sie hört. Ist das sinnvoll? Moralisch? Gerecht?
Das Reich sein per se verbieten möchte ich nicht, um aber das System des „immer mehr“ zu durchbrechen, könnte ein anderer Ansatz helfen. Das Ziel sollte sein, möglichst viel Geld in die Gemeinschaft zu investieren. Der Status, den jemand innerhalb einer Gesellschaft erlangen kann, wird nicht daran gemessen, wie groß sein/ihr Haus ist, wie viele teure Autos er oder sie in der Garage hat und/ oder wie viele Dollar er/sie in seinen Pool hat um darin zu baden.
Nein, der Status einer Person wird daran gemessen, wie viel diese Person für die Gemeinschaft getan hat und tun wird. Dann gäbe es eine Frobes Liste mit den Personen, die am meisten gegeben haben und nicht am meisten gehortet. Welchen Unterschied macht das im Alltag, ob jemand 150 Milliarden oder 10 Milliarden auf seinem Konto hat? Merkt man das überhaupt? Die, die nichts haben, die merken sofort, wenn 100 Euro fehlen. Und die Armen sind in der absoluten Mehrheit.
Foto: Markus Hansen
Ein kleiner Prozentsatz von Menschen besitzt das meiste Geld und damit auch Einfluss und Macht. Diese Macht wird genutzt, um die Politik zu beeinflussen und damit sind wir in der Plutokratie angekommen. Um die Demokratie zu bewahren, erscheint es mir unerlässlich, dass dieser Umstand verändert wird und das ginge durch die Begrenzung privater Vermögen und eine gerechte Besteuerung der Vermögen von Personen und Unternehmen und der Erbschaften. Alle Einnahmen, die ein Mensch oder Unternehmen generieren, sollten gleich besteuert werden, weltweit.
Schluss mit dem Reichtum
Die Menschheit sollte beschließen, dass kein Mensch mehr als X oder Y Milliarden Euro oder Dollar sein Eigen nennen darf. Der Anreiz erfolgreich zu sein, bleibt bestehen, da die Summe X oder Y immer noch immens hoch ist. Damit ist ein bequemes und finanziell unabhängiges Leben möglich und durch den Status als Mensch, der viel Geld in die Gemeinschaft einbringt, wird das Ego gestreichelt.
Seit Jahrhunderten spielt es für die Menschen eine Rolle, wie viel Geld jemand besitzt. Eltern stimmten eine Vermählung ihrer Tochter nur zu, wenn der Bräutigam finanziell gut aufgestellt war. Wie es ja bis heute ein Traum vieler Menschen ist, sehr reich zu werden. Diejenigen, die es zu Reichtum gebracht haben, waren darauf aus, den Reichtum zu sichern und zu mehren. Reiche Menschen haben Kriege bezahlt. Könige, Diktatoren und Präsidenten gemacht. Diese Vorgänge sind höchst undemokratisch und ungerecht.
Denn die Höhe des Vermögens bringt Einfluss und aus dem Einfluss wird Macht. Vermögen plus Einfluss plus Macht, ergibt noch mehr Vermögen und noch mehr Einfluss und immer so weiter. Für die Mehrheit der Menschen bleibt das eine abstrakte Vorstellung. Denn reich werden ist nicht so einfach.
Eine Krankenschwester, ein Busfahrer oder wer auch immer, muss, um eine Million zu erwirtschaften, sein Netto-Durchschnittsgehalt von 25.583 Euro (1) im Jahr fast 40 Jahre lang sparen und darf nichts von seinem Gehalt ausgeben. Das ist also im Leben nicht zu schaffen. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die Normalverdiener wirklich Einfluss nehmen können.
Einfluss ohne Ende
Die Präsidenten der USA konnten und können sich dieses Amt nur leisten, weil sie vorher und auch nachher schon vermögend waren und sind. Bestes Beispiel ist Donald Trump. Der Einfluss vermögender Personen und Unternehmen auf die Politik ist gefährlich, da dieser intransparent und ohne Zweifel meist nur zum Wohle der Person oder des Unternehmens ist, die Einfluss ausübt. Der jüngste Korruptions-Skandal um die Vizepräsidentin des EU-Parlamentes Eva Kaili (2) und den anderen Verdächtigen zeigt, wie sich der Einfluss von reichen Menschen negativ auf die Demokratie auswirkt. Dazu gehören Parteispenden und Lobby-Arbeit genauso, wie das private Telefonieren mit Finanzministern.
Reiche Menschen bestimmen, was wir im Kino sehen, was für Musik wir hören, welcher Fußball-, Football,- oder Basketball-Verein ganz vorne mitspielt. Sie bestimmen über die Mode, was wir essen, welche Autos wir fahren, welches Handy wir benutzen und welche Ergebnisse die Suchmaschinen zuerst anzeigt, usw. Denn nur das, was sich am Ende in barer Münze messen lässt, kommt weiter. Der Impfstoff gegen COVID-19, die neue Platte von Beyoncé , das Elektroauto, die E-Zigaretten, u.a. bringen Geld und deshalb gibt es sie. Es ist nur das auf dem Markt, was jemanden Geld einbringt. Wie sich während der Corona-Pandemie gezeigt hat, sind Vermögender in der Krise noch reicher geworden. (3) Elon Musk hat 153, Jeff Bezos 120, Warren Buffet 107 und Bill Gates 103 Milliarden Dollar (3). Wozu?
Investieren sie doch mal hier
Warum investiert Musk nicht in eine Schule in einem Armenviertel in den USA oder Afrika? Er könnte mit 50 Milliarden viele Schulen in Afrika bauen und damit in die Zukunft investieren. Geld regiert die Welt, löst jede Menge Probleme und kann hilfreich sein. Worauf wartet er? Oder Jeff? Oder Bill? Irgendein unbekannter Milliardär? Keiner? Schade.
Denkbar wäre ein Fond, in den alles eingezahlt wird, was über dem „erlaubten“ Betrag liegt. Dieser wird von einem Gremium verwaltet und dieses entscheiden dann über die Verteilung der Gelder. Dieses Gremium setzt sich immer wieder aus zufällig ausgesuchten Menschen zusammen, so dass es keine Vorteile für irgendwen gibt, außer für die, die das Geld bekommen. Tatsächlich gibt es immer mehr Menschen, die wenig oder nichts haben und ein kleiner Teil der Menschen hat sehr, sehr viel oder noch mehr.(4)
Millionen-Erbin Marlene Engelhorn (5) beweist, dass es nicht immer nur neidische Habenichtse sind, die eine gerechte Verteilung und höhere Steuern auf Vermögen fordern. Marlene Engelhorn fordert vom Staat, des er sie und ihresgleichen sinnvoll besteuert. Die Verteilung des Vermögens ist ungerecht und es ist unfassbar, dass die Demokratie durch dieses reichenfreundliche System langsam ausgehöhlt wird. Unerklärlich ist es auch, warum die in Deutschland jährliche vererbte oder verschenkte Summe von ca 400 Milliarden Euro (6) vom deutsche Staat zum größten Teil ignoriert wird. Warum? Könne wir es uns leisten, darauf zu verzichten?
„Ende 2020 besaß 1,2 Prozent der Weltbevölkerung rund 47,8 Prozent des weltweiten Vermögen. Rund 53 Prozent der Weltbevölkerung besaßen hingegen lediglich 1,1 Prozent des weltweiten Vermögens.“
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Sinn stiften
Viele Vermögende haben eine Stiftung, mit der sie durchaus gutes für die Menschen schaffen, aber das reicht nicht. Es kann und sollte nicht erlaubt sein, dass eine Handvoll Menschen unfassbar reich ist und die Mehrheit im Elend hockt, um für die Industrieländer die Drecksarbeit zu machen. Damit es den Menschen dort gut geht und sie sich ein T-Shirt für drei Euro kaufen können.
Geld ist ein Werkzeug, das das Leben vereinfacht und jeder muss davon eine ausreichende Menge haben, um seine Grundbedürfnisse zu befriedigen. Kinder sollten weltweit zur Schule gehen können. Menschen sollten überall Krankenhäuser haben. Wir sind der Staat, heißt es in der Demokratie, das Volk ist der Souverän. Zurzeit sind wir die Bediensteten von Jeff, Elon und all den anderen Superreichen. Wir könnten bestimmen, dass jeder etwas vom Kuchen ab bekommt. Ein erster Schritt wäre es, Vermögen zu besteuern, das Steuerrecht gerecht und in der EU einheitlich zu gestalten, Erbschaften zu besteuern und Lobby-Arbeit zu kontrollieren. Viele kleine Schritte sind dafür nötig und eine Politik, die dies umsetzen wollen würde. Also los.
Mounir El Motassadeq mit seinen Anwälten bei der Urteilsverkündung des 3. Strafsenates des Hanseatischen Oberlandesgerichts am 19.Februar 2003. Mounir El Motassadeq wird als Komplize der Attentäter vom 11. September 2001 beschuldigt und erhielt 15 Jahre Haft.
Diese verbüßte er in JVA Fuhlsbüttel und seit 2018 lebt er in Marrakech. Nach Deutschland einreisen darf er erst wieder im Jahre 2064, ob es ihn mit 90 Jahren noch einmal hier her zieht ist mehr als fraglich.
Ich war Pool-Fotograf mit einem Kollegen von Reuters und habe die ganze Nacht schlecht geschlafen, weil ich so aufgeregt war. Denn die Fotos gehen um die ganze Welt und jeder verlässt sich auf uns zwei.
Erschöpft. Die Menschen in der Ukraine, in Syrien, SriLanke, Afrika, und was weiß ich wo noch überall sind erschöpft. Auch in Deutschland sind die Menschen am Limit. Lehrer*innen, Verkäufer*innen, Erzieher*inn, Polizisten*innen, Reinigungskräfte sind erschöpft. Wir alle sind erschöpft. Die Anzahl der Menschen mit Burnout oder Depression steigt seit Jahren1 und der Wunsch vieler Menschen auf den früheren Ruhestand könnte ein Indiz dafür, das viele einfach nicht mehr können. Mehr als die Hälfte der aktuellen Beschäftigten möchte lieber mit 62 Jahren – statt mit 67 – in den Ruhestand gehen.2
Erschöpfter Mann in einer U-Bahn in Hamburg. | Foto: Markus Hansen
Durch den Alltag, die Arbeit und die komplexen Probleme vor denen wir alle stehen, werden die Menschen krank. Hinzu kommt, das der einzelne kaum Einfluss auf Entscheidungen – die ihn betreffen – hat. Was kann ein Mensch bewirken? Weder hat er Einfluss auf das, was mit seinen Steuern geschieht, noch kann Herr Meier die Klimakatastrophe im Alleingang stoppen. Das ist frustrierend.
So sieht es aus
Frustrierend ist es auch, wenn die berechtigten Proteste der Frauen und Männer, die im Iran oder China auf die Straße gehen, gewaltsam niedergeschlagen werden. Junge Iraner*innen werden gehängt, weil sie frei sein wollen und die „freie Welt“ schaut zu. Das viele Menschen in ihrer Heimat bleiben würden, wenn es sich dort vernünftig leben ließe, sollte jedem klar sein. Doch allzu oft verhindert die deutsche -, die europäische- oder die westliche Wirtschaftspolitik dies.
Unser Wohlstand hängt davon ab, das ein großer Teil der Weltbevölkerung im Dreck sitzt und für unsere Rohstoffe die eigene Umwelt und Gesundheit zerstören muss – siehe den Artikel von Johanna Roth im ZEIT Magazin no. 47 3 – um zu überleben. Das erhöht die Frustration ebenfalls. Obwohl es uns doch „noch“ so gut geht, sind wir trotzdem erschöpft. Wie kann das sein?
Illusion und Konsum
Das, was den Menschen in den“reichen Ländern“ einen kurzen Moment von Sinn in ihrem Leben zu geben vorgaukelt, der Konsum, ist ein großes Stück vom vergifteten Kuchen von dem an dem wir uns nähren. Wir konsumieren und erzeugen damit Wachstum. Um zu konsumieren müssen wir arbeiten und auch damit erzeugen wir meistens Wachstum. Aber je mehr Kuchen wir in uns hinein werfen, desto fetter werden wir. Irgendwann platzen wir, wie Mr. Creosote, aus dem Film der „Sinn des Lebens“ von Monty Python. Aber ohne Wachstum geht es ja angeblich nicht, also werden wir unweigerlich platzen.
Klima, Corona, Krieg, Inflation, Rezession und dann gibt es noch die ganzen anderen Katastrophen, die für die Masse der Menschen auf den ersten Blick nicht wichtig zu sein scheint, die aber dafür sorgen, das es auch in kleineren, privatem Leben der Menschen zur Erschöpfung kommt. Das Gesundheitssystem ist überlastet. Die Schulen sind eine Katastrophe. Die Lage in den Kitas ist schrecklich. Die Preise steigen, die Straßen, Brücken und Schienen sind Marode und das ist nur ein kleiner Teil der Sorgen und Nöte.
Die Politik klebt alles mit Geld zu und lässt dann eine PR-Firma die eigene kurzsichtige Handlung als großartigen und langfristige Lösung verkaufen. Der neue Satz des Bürgergeldes, der 50 Euro mehr als der jetzige Hartz IV-Satz beträgt, ist ja schon der Untergang der kapitalistischen Welt bzw. ein großer Erfolg der Politik, je nach dem, wer etwas dazu sagt. Dabei ist es nur ein Witz.
Das passt schon
Wir leben in einer Welt, die wie ein Haus ist, auf das immer noch ein Stockwerk gebaut wird, aber am Fundament wird nichts verändert. Wenn jetzt eine Etage renoviert werden soll, dann bricht alles zusammen, aber wenn man noch ein Stockwerk baut, dann kracht auch alles zusammen. Trotzdem geht es munter weiter. Wir wachsen, fressen Kuchen und bauen Stockwerk auf Stockwerk. Und dann?
Einwanderung, Bundeswehr, Steuern, Pflege, Rente, Bildung, Medizin und Infrastruktur, all das sind die oben genannten Stockwerke , die eine grundsätzliche Änderung erfordern. Warum zahlen nicht alle in die Rentenkasse ein? Warum ist die Steuererklärung nur noch mit Hilfe von Software oder Beratern möglich? Warum müssen Krankenhäuser Gewinn machen? Wieso gibt es kein vernünftiges Einwanderungsgesetzt und dazu eine sinnvolle Integration? Warum brauchen wir fast 300.000 Soldaten, die dann zwei Tage schießen können und dann mit Steinen werfen müssen? Warum ist in Afrika der importierte, deutsche Joghurt billiger als der einheimische?
Dieses Land, diese Welt ist voll verkorkst. Alles hängt mit allem zusammen und die einzige Antwort, die Politiker und Unternehmen auf die großen Probleme haben ist: Geld und damit Wachstum. An das Märchen „Trickle-down“ glauben ja immer noch sehr viele und verteidigen damit ihre eigenen Pfründe. Lobbyisten verhindern weltweit sinnvolle Änderungen, sei es die Waffen-, die Zucker-, oder die Sonstwaslobby und zementieren damit ihren eigenen Untergang. Glückwunsch. Lobbyisten haben scheinbar keine Kinder.
Wachstum ist nicht alles
Kann es nicht auch ohne Wachstum gehen? Wäre nicht eine gesunde Stagnation mal sehr erholsam? Wären wir vielleicht alle weniger erschöpft oder weniger ausgebrannt, wenn es nicht immer nur um Wachstum gehen würde? Wenn wir die Globalisierung mal ernst nehmen würden? Wir sind eine Gemeinschaft und helfen uns gegenseitig? Statt immer nur zu schauen, wie kann ich noch mehr Geld aus dem weit entfernten Land rausholen? Utopisch? Wahrscheinlich.
Die EU hätte die Möglichkeit einen Anfang zu wagen, wenn es nicht dieses völlig undemokratische Konstrukt wäre, mit Einstimmigkeit, Hinterzimmer-Absprachen und Vetorechten. Wachstum kann nicht die Antwort auf die Zukunft sein. Schon gar nicht Wachstum für die einen und Armut für die anderen. Das ist jedem klar, der sich schon einmal ungerecht behandelt gefühlt hat. Wie erklärt man einem Kind, warum die Menschen in einem Land nichts zu essen haben und im anderen werden Tonnen von Nahrungsmitteln weggeworfen? Das verstehe ich leider auch nicht.
Neben den guten Ansätzen von Christian Felber4 zum Postwachstum oder auch Degrowth ist wohl Mut gefragt. Politiker*innen, die eine Vision haben und etwas verändern wollen. Auch gegen Widerstände anderer Parteien und die Interessen der kinderlosen Lobbyisten*innen. Den Mut etwas zu verändern und es vor allem gerecht zu verändern, nicht nur in Deutschland, sondern Global. Es gebe so viele Möglichkeiten dazu. Das Benzin teurer machen, eine Zuckersteuer, eine Kapitalertragssteuer, höhere Erbschaftssteuer, Senkung der Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel, eine extra Fleischsteuer und gerechte Preise für Landwirte.
Der letzte Satz
Was könnten wir für ein schönes Leben haben – ich meine alle Menschen – wenn Religion Privatsache wäre, die Wirtschaft dem Menschen dienen würde, die Gier als Straftat behandelt werden würde, die Maslowsche Bedürnishierarchie (5) auf der ganzen Welt für alle erfüllt ist und Unrecht ein Relikt der Vergangenheit wäre. Eine Welt, in der die eine Hälfte eben nicht im Luxus lebt, während die andere kaum weiß, woher sie Trinkwasser oder etwas zu Essen bekommen kann. Sondern alle friedlich zusammen leben. Wo wir nicht Leben um zu arbeiten sondern arbeiten um zu leben.Utopisch?
Dei Parteivorsiztzende der CDU – Angela Merkel – unterstützt bei einer Wahlkampfveranstaltung den Spitzenkandidaten der CDU Niedersachen Christian Wulff in Hannover am 30.01.03 | Foto: Markus Hansen | Vertrieb:actionpress
Dieses Bild entstand bei einer Wahlkampfveranstaltung in Hannover. Im Publikum wurden blaue Schilder verteilt, auf den mit weißer Schrift „BESSER“ stand. So viel Inhalt kostet bestimmt viel Geld. Es war eine saubere Veranstaltung, Herr Wulf kam mit Frau, hielt eine umfangreiche Rede. Es gab jede Menge Jubel.
Angela Merkel brachte ebenfalls einen Wortbeitrag zum Besten, gefolgt von Jubel. Dann die obligatorischen Winke-Bilder und Siegerposen. Fertig ist die Wahlkampfveranstaltung.
Es hat geholfen, das die Parteivorsitzende Angela Merkel den aufstrebenden Politiker Christian Wulf unterstützt hat. Mit 48,32 % wurde die CDU damals stärkste Partei. 2010 wurde er dann auch noch Bundespräsident bis er sich telefonisch bei der BILD abmeldete.
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